Schnelleres biologisches Altern sagt Krebs im frühen Erwachsenenalter voraus
Jüngere Generationen sind biologisch älter als ihre Eltern es im gleichen Lebensalter waren. Und diese Lücke scheint zu zählen: Je größer sie ist, desto höher das Krebsrisiko vor dem fünfzigsten Lebensjahr.
Das legt die Studie der Washington University in St. Louis nahe, die in Nature Medicine erschienen ist. Die Forschenden werteten Daten von mehr als 154.000 Teilnehmenden der UK Biobank aus. Das biologische Alter schätzten sie mithilfe von PhenoAge, einer weit verbreiteten biologischen Uhr, die auf neun Blutchemie-Markern basiert und ursprünglich darauf trainiert wurde, das Sterberisiko vorherzusagen.
Menschen, die zwischen 1965 und 1974 geboren wurden, wiesen eine messbar größere Lücke zwischen biologischem und kalendarischem Alter auf als die Generation der Jahrgänge 1950 bis 1954. Die Verschiebung beträgt 0,23 Standardabweichungen – eine Zahl, die bescheiden klingt, sich aber in eine Zunahme des allgemeinen Frühonset-Krebsrisikos um 8% pro Standardabweichung biologischer Altersbeschleunigung übersetzt.
Lunge und Darm am stärksten betroffen
Das erhöhte Risiko verteilte sich nicht gleichmäßig auf alle Krebsarten. Lungenkrebs zeigte den deutlichsten Anstieg: 57% pro Standardabweichung. Gastrointestinale Karzinome und Gebärmutterkrebs waren ebenfalls auffällig mit beschleunigtem biologischen Altern assoziiert. Aufschlussreich ist dabei, dass dieselben Krebsarten, die nach dem 55. Lebensjahr diagnostiziert wurden, einen deutlich schwächeren Zusammenhang zeigten – was darauf hindeutet, dass die biologische Altersbeschleunigung eine spezifische Rolle bei früh auftretenden Erkrankungen spielt.
Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass es sich um eine Assoziation handelt, nicht um einen nachgewiesenen Kausalzusammenhang. PhenoAge misst zudem eine relative Verschiebung innerhalb einer Population und kein absolutes biologisches Alter in Jahren. Was die generationenübergreifende Beschleunigung antreibt, bleibt unklar. Stark verarbeitete Lebensmittel, Luftverschmutzung und die Belastung durch Mikroplastik werden als mögliche Einflussfaktoren genannt, sind aber nicht belegt.
Vom Bevölkerungsmuster zur individuellen Prävention
Aus einer Longevity-Perspektive sind die Befunde bemerkenswert: Sie deuten darauf hin, dass biologische Altersuhren nicht nur zur Verfolgung individueller Gesundheitsverläufe nützlich sein könnten, sondern auch zur Erkennung von Krebsrisikosignalen auf Bevölkerungsebene. Die Autoren formulieren als übergeordnetes Ziel, allgemeine Empfehlungen in personalisierte, auf der individuellen Biologie beruhende Maßnahmen zu übersetzen. Das ist eine Ambition, kein bewährter Ansatz: Es handelt sich weiterhin um Beobachtungsforschung.
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