Warum steigt das Krebsrisiko mit zunehmendem Alter?
Je älter du wirst, desto mehr Schäden häufen sich in deinen Zellen an und desto schlechter kann dein Körper diese Schäden reparieren oder erkennen. Das macht Krebs im Kern zu einer Erkrankung des Alterns, wobei Lebensstilentscheidungen das Tempo maßgeblich beeinflussen können.
Das Alter ist in der westlichen Welt der größte Risikofaktor für Krebs. Dahinter steckt keine einzelne Ursache, sondern ein Zusammenspiel von Prozessen, die sich über Jahrzehnte aufschichten.
Ein Leben lang werden Zellen immer wieder durch Karzinogene, Strahlung und Stoffwechselfehler beschädigt. Jeder Angriff kann eine kleine Mutation im Erbgut hinterlassen. In jungen Jahren ist der Körper gut darin, solche Fehler aufzuspüren und zu reparieren. Mit steigendem Alter lässt diese Reparaturkapazität nach, sodass sich Mutationen anhäufen. Genug Fehler in den richtigen Genen können eine Zelle bösartig werden lassen.
Seneszente Zellen spielen dabei eine eigene, widersprüchliche Rolle. Sie stellen die Zellteilung ein, was die Ausbreitung von Krebs eigentlich bremst. Doch sie verschwinden nicht, sondern verbleiben im Gewebe und stören das Milieu um gesunde Zellen herum. Damit untergraben sie genau das System, das Tumoren normalerweise in Schach hält.
Hinzu kommt eine schwelende chronische Entzündung, auch als Inflammaging bezeichnet. Mit zunehmendem Alter gerät das Immunsystem in einen leichten, aber anhaltenden Aktivierungszustand. Diese niedriggradige Entzündung begünstigt die Entstehung von Krebs, aber auch von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Gleichzeitig verliert das Immunsystem an Schärfe beim Erkennen früher Tumorzellen, sodass bösartige Zellen häufiger unentdeckt bleiben.
Schließlich verändern sich mit dem Alter auch die Systeme, über die Zellen ihren Nährstoffstatus wahrnehmen, zum Beispiel die Insulin- und Wachstumsfaktorsignalwege. Störungen dort beschleunigen den Alterungsprozess und tragen zu altersbedingten Erkrankungen einschließlich Krebs bei. Lebensstilfaktoren verstärken all diese Prozesse zusätzlich: Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht treiben die Schadensakkumulation weiter an, wie der Anstieg von Darmkrebsfällen in westlichen Ländern deutlich zeigt.
Die Aussagen basieren auf Übersichtsarbeiten und einer Bestandsaufnahme zur Alterungsbiologie und Krebsentstehung (PMID 22975005, 38762096, 31806905, 27189416, 38147966). Die beschriebenen Mechanismen sind biologisch gut belegt; eine präzise Quantifizierung des jeweiligen Einzelbeitrags lässt sich den verfügbaren Quellen jedoch nicht entnehmen.