Stammzellen reparieren geschädigte Netzhäute in alternden Augen
Erblindung durch Netzhautschäden betrifft weltweit Millionen Menschen. Wissenschaftler haben nun Stammzellen genutzt, um neue Auskleidungszellen für Blutgefäße zu züchten, die die Netzhaut reparieren können. Im Mausmodell hat es funktioniert.
Die Netzhaut ist Teil des zentralen Nervensystems. Wie das Gehirn ist sie auf eine Schutzbarriere angewiesen: die innere Blut-Retina-Schranke (iBRB). Diese Schranke reguliert, welche Moleküle aus dem Blutkreislauf ins Netzhautgewebe gelangen. Bricht sie zusammen und wird durchlässig, sind Sauerstoffversorgung und Zellgesundheit gestört. Genau das geschieht bei Erkrankungen wie der diabetischen Retinopathie und der Makuladegeneration – zwei häufigen Ursachen für Erblindung im Alter.
Zellgewinnung aus pluripotenten Stammzellen
Die Forscher nutzten induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs) – Körperzellen, die in einen frühen, vielseitig einsetzbaren Zustand zurückprogrammiert wurden – und leiteten diese dazu an, retinale Endothelzellen zu werden. Endothelzellen kleiden die Innenwände von Blutgefäßen aus. In der Netzhaut verbinden sie sich eng miteinander und bilden so die Schutzschranke. Die Umwandlung gelang durch Aktivierung des Wnt-beta-Catenin-Signalwegs, eines bekannten Regulators der Zellidentität.
Die neu erzeugten Zellen (iRECs) zeigten die korrekten genetischen und molekularen Eigenschaften echter retinaler Endothelzellen. Sie wurden anschließend in Mäuse injiziert, bei denen durch sauerstoffinduzierte Retinopathie ein Netzhautschaden erzeugt worden war – ein etabliertes Mausmodell für Netzhautverletzungen. Die Zellen integrierten sich in das bestehende Gefäßnetz und trugen dazu bei, die Durchblutung im geschädigten Gewebe wiederherzustellen.
Der Weg in die Klinik ist noch weit
Es handelt sich um frühe, vielversprechende Ergebnisse aus einem Tiermodell. Ob der Ansatz beim Menschen sicher und wirksam ist, muss erst noch belegt werden. Risiken wie Immunabstoßung oder unerwünschtes Zellwachstum müssen ausgeschlossen werden. Dennoch birgt die Methode Potenzial für ein breites Spektrum an Erkrankungen, bei denen die Netzhautschranke eine Rolle spielt – darunter altersbedingte Augenerkrankungen.
Aus Longevity-Perspektive ist dies bemerkenswert: Die Alterung der Netzhaut folgt Mechanismen, die denen der Gehirnalterung ähneln. Therapien, die Gefäßbarrieren wiederherstellen, könnten daher eine Bedeutung weit über Augenerkrankungen hinaus haben – auch wenn diese Studie das nicht direkt belegt.
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