Tau-Protein erweist sich als unverzichtbar für das Gedächtnis
Tau ist vor allem als Übeltäter bei der Alzheimer-Krankheit bekannt. Doch dasselbe Protein spielt offenbar eine entscheidende Rolle im gesunden Gehirn: Es hilft dabei, neue Erfahrungen in dauerhafte Erinnerungen umzuwandeln.
Forschende, die mit Mäusen arbeiteten, stellten fest, dass Tau die gedächtnisspeichernden Zellen des Gehirns so organisiert, dass Lernen überhaupt erst möglich wird. Wenn die Tau-Funktion gestört war, hatten die Mäuse Schwierigkeiten, neue Erfahrungen in stabile Erinnerungen zu überführen. Die Studie zeigt, dass Tau im gesunden Gehirn eine normale, funktionale Rolle übernimmt, die von dem schädlichen Verklumpen bei der Alzheimer-Krankheit unabhängig ist.
Zwei Seiten desselben Proteins
Bei der Alzheimer-Krankheit häuft sich Tau zu neurofibrillären Tangles an. Diese schädigen Hirnzellen und stören deren Kommunikation. Das ist seit Jahrzehnten bekannt. Weniger gut verstanden war bislang, was Tau im gesunden Gehirn leistet. Diese Forschungsarbeit zeigt, dass Tau dazu beiträgt, Zellen im Hippocampus, dem wichtigsten Gedächtniszentrum des Gehirns, so zu organisieren, dass Lernen unterstützt wird.
Abnormes Tau störte in der Mausstudie nicht nur die Bildung neuer Erinnerungen, sondern auch den Abruf bereits vorhandener. Das entspricht dem, was Alzheimer-Patientinnen und -Patienten erleben: Sowohl das Einprägen aktueller Ereignisse als auch das Abrufen älterer Erinnerungen kann beeinträchtigt werden.
Folgen für die Behandlung
Die Erkenntnis, dass Tau eine normale Funktion besitzt, erschwert Behandlungsstrategien. Tau schlicht zu unterdrücken oder zu entfernen reicht nicht aus. Künftige Therapien müssten gezielt die schädliche, abnorme Form angreifen und dabei die gesunde Variante unberührt lassen. Das ist ein weitaus differenzierteres Ziel, als viele aktuelle Ansätze es verfolgen.
Mehrere auf Tau ausgerichtete Therapien stehen derzeit im Mittelpunkt einer bedeutenden Alzheimer-Konferenz in London. Diese Mausstudie fügt eine wichtige Nuance hinzu: Tau ist nicht bloß ein passiver Bestandteil des Krankheitsgeschehens, sondern ein aktiver Teil des gesunden Gehirns. Diese beiden Rollen zu trennen ist nun eine zentrale Frage in der Forschung.
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