Toxische Beziehungen lassen uns schneller altern: Was die Wissenschaft über kräftezehrende Menschen sagt
Seit Langem ist bekannt, dass starke soziale Bindungen die Gesundheit fördern. Eine neue Studie zeigt nun die Kehrseite: Menschen, die von negativen oder belastenden Beziehungen umgeben sind, altern biologisch schneller. Nicht geringfügig schneller, sondern messbar schneller, auf zellulärer Ebene. Das ist keine weiche Psychologie mehr. Das ist harte Alterswissenschaft.
Die Forschenden befragten die Teilnehmenden nicht nur nach ihrem subjektiven Empfinden gegenüber ihren Beziehungen, sondern maßen biologische Alterungsmarker, darunter epigenetische Uhren, die das tatsächliche Alter der Zellen anzeigen, unabhängig vom Geburtsdatum. Das Ergebnis war bemerkenswert: Menschen, die regelmäßig mit Personen interagieren, die Stress verursachen, kritisch, unzuverlässig oder emotional erschöpfend sind, altern biologisch schneller als Menschen mit einem überwiegend positiven sozialen Umfeld. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung anderer Faktoren wie Lebensstil und Einkommen bestehen.
Es geht nicht darum, wen man vermisst, sondern wen man hat
Besonders interessant an dieser Forschung ist, dass sie sich nicht in erster Linie mit Einsamkeit befasst, einem Thema, das die Langlebigkeitsforschung dominiert. Es geht um die Qualität der vorhandenen sozialen Verbindungen. Ein kleines Netzwerk aus herzlichen, verlässlichen Menschen erweist sich als schützender als ein großes Netzwerk, das auch toxische Persönlichkeiten einschließt. Chronischer sozialer Stress löst im Körper Entzündungsreaktionen aus und erhöht den Cortisolspiegel, das Stresshormon. Über die Zeit schwächt das das Immunsystem, schädigt die Telomere und stört die epigenetische Regulation der DNA, genau jene Prozesse, die das Altern vorantreiben.
Was lässt sich daraus ableiten?
Diese Forschung verleiht etwas wissenschaftliches Gewicht, das viele vielleicht bereits intuitiv gespürt haben: Es ist vollkommen in Ordnung, sich von Menschen zu distanzieren, die einem dauerhaft Energie entziehen. Grenzen zu setzen ist keine Selbstsucht, sondern eine Strategie für ein langes Leben. Es lohnt sich, bewusst in Beziehungen zu investieren, die Kraft geben, und ehrlich mit sich selbst darüber zu sein, welche das Gegenteil bewirken. Drastische, dramatische Brüche sind dabei nicht notwendig: Schon die Reduzierung belastender Interaktionen kann einen echten Unterschied machen. Die Wissenschaft bestätigt nun: Die Menschen im eigenen Umfeld sind ein Teil der eigenen Gesundheit.