Wer mit 90 noch geistig fit ist, bleibt dennoch gefährdet
Die Neunziger gesund zu erreichen klingt nach einem Sieg. Neue Forschung zeigt jedoch, dass das Demenzrisiko auch dann nicht verschwindet – und für manche Gruppen sogar erheblich bleibt.
Lange galt die Annahme, wer bis ins sehr hohe Alter geistig klar bleibt, habe das Schlimmste irgendwie hinter sich gelassen. Dieses Bild ist unvollständig. Die Forschenden untersuchten Menschen über 90 und stellten fest, dass das Demenzrisiko auch in dieser Altersgruppe weiterhin stark von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und genetischen Merkmalen abhängt.
Frauen und schwarze Studienteilnehmende hatten ein deutlich höheres Risiko als Männer und weiße Teilnehmende – selbst unter jenen, die ihre Neunziger bereits ohne Demenz erreicht hatten. Gleichzeitig blieben manche Menschen kognitiv gesund, obwohl sie bedeutende Risikofaktoren trugen, etwa die Genvariante APOE4, die mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden ist. Diese Personen sind wissenschaftlich besonders interessant: Was schützt sie?
Widerstandsfähigkeit als Forschungsfrage
Die Forschenden vermuten, dass Menschen, die trotz Risikofaktoren kognitiv intakt bleiben, Hinweise auf die Widerstandsfähigkeit des Gehirns liefern könnten – also auf seine Fähigkeit, Schäden zu widerstehen oder auszugleichen. Wie genau dieser Mechanismus funktioniert, ist bislang weitgehend ungeklärt.
Was das für ein langes Leben bedeutet
Die ungleiche Risikoverteilung ist aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung bemerkenswert. Biologisches Altern verläuft nicht für alle gleich. Geschlecht und genetische Voraussetzungen bestimmen die Anfälligkeit offenbar auch im sehr hohen Alter – was eine auf die jeweilige Person zugeschnittene Risikoeinschätzung wichtiger macht denn je.
Die Studie ist beobachtender Natur: Sie identifiziert Faktoren, die mit dem Demenzrisiko zusammenhängen, belegt aber keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung. Welche Schutzmechanismen bei Menschen aktiv sind, die mit unverminderten geistigen Fähigkeiten altern, muss die Forschung noch herausarbeiten.
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