Zu viel dieses Proteins zerstört Knorpel
Knorpel braucht wenig Sauerstoff zum Überleben. Ein Protein, das Zellen hilft, mit dieser Umgebung umzugehen, wird zerstörerisch, wenn es zu lange aktiv bleibt.
Forschende haben herausgefunden, dass dauerhaft erhöhte Spiegel von HIF-1α (Hypoxie-induzierbarer Faktor 1-alpha, ein Protein, das regelt, wie Zellen auf Sauerstoffmangel reagieren) Knorpelschäden verursachen und Arthrose begünstigen. Das klingt zunächst paradox: Dieses Protein ist für Knorpelzellen, die in einer sauerstoffarmen Umgebung leben, normalerweise unverzichtbar. Doch die Studie zeigt, dass ein Zuviel des Guten den gegenteiligen Effekt haben kann.
Die Forschenden untersuchten Knorpel- und Gelenkgewebe von Arthrosepatienten. In stark geschädigten Bereichen war HIF-1α deutlich häufiger nachweisbar als in intakten Regionen. Auch VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor), ein Protein, das das Wachstum neuer Blutgefäße fördert, war stark erhöht. Das ist problematisch: Knorpel besitzt normalerweise keine Blutgefäße, und deren Entstehung schädigt das Gewebe.
Mäuse mit mehr HIF-1α entwickeln früher Arthrose
Um zu prüfen, ob HIF-1α den Schaden tatsächlich verursacht oder lediglich begleitend auftritt, setzten die Forschenden genetisch veränderte Mäuse ein, die mehr von diesem Protein produzieren. Ohne zusätzliche Eingriffe zeigten diese Tiere bereits im Alter von neun Monaten erste Arthrosezeichen. Mit zwölf Monaten war der Knorpel in betroffenen Gelenken vollständig abgebaut. Bei normalen Mäusen tritt dies in diesem Alter nicht auf.
Auffällig war, dass die veränderten Mäuse erhöhte Spiegel sowohl gewebeaufbauender als auch gewebeabbauender Faktoren aufwiesen. Die Forschenden bezeichnen dies als metabolisches Paradoxon: Der Körper versucht gegenzusteuern, doch letztlich überwiegt der Abbau. Bei Mäusen, bei denen Arthrose chirurgisch ausgelöst wurde, verschlimmerte überschüssiges HIF-1α Schmerzen und Gelenkdegeneration erheblich.
Bedeutung für die Arthroseforschung
Arthrose gehört zu den häufigsten altersbedingten Erkrankungen und beeinträchtigt weltweit Beweglichkeit und Lebensqualität in erheblichem Maß. Die Studie legt nahe, dass HIF-1α nicht einfach ein schützender Signalgeber ist, sondern unter bestimmten Bedingungen zum Krankheitstreiber werden kann. Das eröffnet neue Therapieansätze, die gezielt auf dieses Protein abzielen. Ob dies in gleicher Weise beim Menschen gilt, muss in weiteren Untersuchungen geklärt werden.
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