Kann ein Bluttest zeigen, wie alt deine Organe sind?
Bluttests können biologisches Altern näherungsweise erfassen und auf Risiken für bestimmte Erkrankungen hinweisen, das Alter einzelner Organe direkt messen können sie nicht. Wer seine biologische Uhr im Blick behalten möchte, ist mit DNA-Methylierungs- und Blutwerte-Scores am besten bedient, sollte sie aber als Orientierung nutzen, nicht als Diagnose.
Drei Arten von Bluttests liefern inzwischen eine brauchbare Schätzung des biologischen Alterns, doch keiner misst das Alter einzelner Organe direkt. Sie arbeiten auf Bevölkerungsebene: Sie zeigen, wie du im Vergleich zu Gleichaltrigen im Durchschnitt abschneidest.
Der DunedinPoAm-Test misst chemische Veränderungen an der DNA in weißen Blutkörperchen und schätzt, wie schnell jemand biologisch altert. Menschen mit einem höheren Alterungstempo hatten in der zugrundeliegenden Studie mehr chronische Erkrankungen, schlechteren Balance, Kraft und Gehgeschwindigkeit sowie ein höheres Risiko, früh zu sterben. Geschulte Beurteiler schätzten sie außerdem älter, als sie tatsächlich waren. Der Test wurde an einer einzigen Geburtskohorte entwickelt und ist ein Forschungsinstrument, keine klinische Anwendung für den individuellen Einsatz.
Blutwerte-Scores wie PhenoAge berechnen das biologische Alter aus Standard-Laborwerten. In der CALERIE-Studie verlangsamte Kalorienrestriktion das biologische Altern messbar anhand dieser Scores, und in mehreren Studien sagten sie gesundes Altern sogar etwas besser voraus als DNA-Methylierungstests. Auch sie liefern einen Bevölkerungsdurchschnitt, keinen Wert für ein bestimmtes Organ.
Für organspezifische Risiken sind Proteinprofile im Blut vielversprechender. Eine Kombination aus 11 Proteinen sagte bei Diabetespatienten deutlich besser voraus, wer eine chronische Nierenerkrankung entwickeln würde, als bestehende klinische Modelle. Das ist konkreter als ein allgemeines biologisches Alter, beschränkt sich aber auf ein Organ und eine Erkrankung. Vergleichbare Daten für andere Organe fehlen bisher.
Blutmagnesium taugt als Alterungsmarker nicht: Es spiegelt den Magnesiumgehalt in den Zellen schlecht wider und hängt stark von der Nierenfunktion ab. Forscher stufen es als unbrauchbaren Altersbiomarker ein.
Vier Aussagen aus drei Studien und einer Analyse; alle Zusammenhänge sind assoziativ, keiner der Tests wurde kausal als Messung des Organalters bei Einzelpersonen validiert.