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Chemotherapie lässt die Leber schneller altern als andere Organe

Redaktion LongevityWatch · 17. September 2026 · 1 min · English

Platinbasierte Chemotherapie richtet in der Leber Schäden an, die über gewöhnliche Nebenwirkungen hinausgehen. Sie beschleunigt die biologische Alterung des Lebergewebes – ein Risiko, das bislang unterschätzt wurde.

Platinverbindungen wie Cisplatin und Oxaliplatin gehören seit Jahrzehnten zu den Grundpfeilern der Krebstherapie. Sie schädigen die DNA von Krebszellen und verlangsamen so das Tumorwachstum. Selektiv wirken sie dabei nicht: Auch gesunde Zellen können betroffen sein. Eine in Science veröffentlichte Analyse zeigt, dass die Leber nach einer Platin-Chemotherapie biologisch schneller altert, als es allein durch das kalendarische Alter zu erwarten wäre.

Die Studie erklärt den Mechanismus über DNA-Schäden und zelluläre Seneszenz: Durch die Chemotherapie geschädigte Zellen stellen ihre Teilung ein, bleiben aber stoffwechselaktiv und senden entzündliche Signale an benachbarte Zellen aus. Dieses sogenannte SASP-Signal – das Gemisch aus Botenstoffen, das seneszente Zellen abgeben – kann gesundes Lebergewebe weiter schädigen und die Alterung umliegender Zellen vorantreiben.

Was das für Krebspatientinnen und -patienten bedeutet

Die Befunde sind besonders relevant für Menschen, die in jungem oder mittlerem Alter eine Chemotherapie durchlaufen. Die beschleunigte Leberalterung kann langfristig zu Stoffwechselproblemen, einer verringerten Fähigkeit der Leber zum Abbau von Medikamenten sowie einem erhöhten Risiko für Lebererkrankungen beitragen. Die Autorinnen und Autoren bezeichnen dies als „verborgenen Preis" einer ansonsten wirksamen Behandlung.

Mögliche Schutzansätze

Die Forschenden sehen in Strategien, die auf die Seneszenz in der Leber nach einer Chemotherapie abzielen, einen vielversprechenden Ansatz für künftige Studien. Ob Wirkstoffe, die seneszente Zellen aus dem Gewebe entfernen, platinbedingte Leberschäden verringern können, ist am Menschen noch nicht belegt. Die Studie liefert jedoch einen mechanistischen Rahmen für künftige Schutzbehandlungen, die parallel zur Krebstherapie eingesetzt werden könnten. Aus Sicht der Longevity-Forschung ist sie eine deutliche Erinnerung daran, dass das Überleben einer Krebserkrankung und die langfristige Gesundheit der Organe nicht automatisch Hand in Hand gehen.

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