Schadet Rapamycin der Leber?
Rapamycin schädigt die Leber nicht nachweislich direkt, erhöht aber das Risiko für ein Blutgerinnsel in der Leberarterie und hat bekannte Nebenwirkungen in anderen Organsystemen. Nimm dieses Mittel nur unter ärztlicher Aufsicht ein.
Rapamycin (auch Sirolimus) ist nicht überzeugend mit direkten Leberschäden in Verbindung gebracht worden. In einer Beobachtungsserie mit 56 Lebertransplantierten, die Rapamycin zusammen mit einer niedrigen Dosis des Abstoßungshemmers Tacrolimus erhielten, blieben Transplantat- und Patientenüberleben hoch (91 % bzw. 93 % nach knapp zwei Jahren). Lebertoxische Effekte wurden nicht dokumentiert.
Es gibt allerdings eine leberspezifische Komplikation, die mit Rapamycin assoziiert wird: ein Blutgerinnsel in der Leberarterie. In derselben Beobachtungsserie trat das bei 1 von 56 Patienten auf. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Rapamycin deshalb nicht für die Lebertransplantation zugelassen; das verwandte Medikament Everolimus hingegen schon.
Die Nebenwirkungen, die Rapamycin messbar erhöht, betreffen vor allem andere Organsysteme. Chronischer Einsatz kann zu Glukoseintoleranz, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes führen. In Kombination mit vollen Dosen Ciclosporin verstärkt Rapamycin außerdem die Nierenschädigung und erhöht die Blutfette. Seltener, aber ernstzunehmen, sind Lungenkomplikationen, darunter eine entzündliche Lungenerkrankung (interstitielle Pneumonitis).
Fachliteratur nennt mögliche Lebereffekte als Punkt im Nebenwirkungsprofil von Rapamycin, ohne diese zu beziffern oder mechanistisch zu erklären. Das tatsächliche Leberrisiko lässt sich damit kaum einschätzen. Alle verfügbaren Daten stammen aus Beobachtungsstudien bei Transplantierten, nicht aus kontrollierten Studien bei Gesunden oder bei Menschen, die Rapamycin als Mittel gegen das Altern einnehmen.
Alle Quellen sind Reviews oder nicht gesondert indexierte Beobachtungsserien aus der Transplantationsmedizin. Weder RCTs noch Metaanalysen sind verfügbar. Die Befunde lassen sich nicht direkt auf niedrigdosiertes Rapamycin außerhalb der Transplantationsmedizin übertragen.