Cholesterin in Ohrenzellen entscheidet über den Erhalt des Gehörs
Hörverlust wird meist auf Lärm oder Alterung zurückgeführt. Doch eine neue Studie in eLife lenkt den Blick auf etwas weit weniger Diskutiertes: den Cholesterinspiegel innerhalb eines bestimmten Zelltyps tief im Innenohr.
Forschende haben herausgefunden, dass ein Enzym namens HSD17B7 für die Funktion der Haarzellen im Innenohr unverzichtbar ist. Haarzellen sind die Sinneszellen, die Schallschwingungen in elektrische Signale umwandeln, die das Gehirn verarbeiten kann. Sie besitzen keine Regenerationsfähigkeit: Einmal verloren, sind sie dauerhaft weg. HSD17B7 steuert einen Schritt in der Cholesterinproduktion. Fehlt das Enzym, versagen die Haarzellen. Die Studie in eLife belegte dies sowohl an Zebrafischen als auch an Mäusen und zeigte, dass das für dieses Enzym codierende Gen in den Innenohr-Haarzellen beider Spezies besonders stark konzentriert ist.
Was Cholesterin in einer Haarzelle bewirkt
Cholesterin ist eher als kardiovaskulärer Risikofaktor bekannt denn als Schutzfaktor für das Gehör. Auf zellulärer Ebene erfüllt Cholesterin jedoch eine strukturelle Aufgabe: Es ist ein wesentlicher Bestandteil von Zellmembranen. In Haarzellen scheint der Cholesterinstoffwechsel besonders aktiv zu sein. Als Hsd17b7 in der Studie ausgeschaltet wurde, nahmen die Haarzellen Schaden und es trat Hörverlust auf.
Der zugrundeliegende Mechanismus betrifft die Cholesterinbiosynthese an einem bestimmten Punkt des Produktionswegs, der nach dem Vorläufermolekül Lanosterol liegt. Bereits die Unterbrechung dieses Schritts reichte aus, um die Funktion der Sinneszellen zu beeinträchtigen.
Was das für altersbedingten Hörverlust bedeutet
Altersbedingter Hörverlust, medizinisch als Presbyakusis bekannt, betrifft einen großen Teil älterer Erwachsener. Seine Ursachen sind bislang nur teilweise verstanden. Die vorliegende Forschung eröffnet die Möglichkeit, dass Veränderungen im Cholesterinstoffwechsel im Zuge des Alterns zum fortschreitenden Verlust von Haarzellen beitragen. Sollte sich das beim Menschen bestätigen, könnten sich daraus neue Ansatzpunkte für Prävention und Behandlung ergeben – etwa indem die Cholesterinhomöostase in den Haarzellen gestützt wird, bevor sich Schäden akkumulieren.
Es handelt sich um Tierversuche, deren Relevanz für den Menschen weiterer Untersuchungen bedarf. Die Befunde sind jedoch hinreichend spezifisch und mechanistisch fundiert, um als vielversprechende Richtung für künftige Forschung ernst genommen zu werden.