Was ist ein gesunder Cholesterinwert – und wann solltest du dir Sorgen machen?
Ein normaler LDL-Wert gibt kein vollständiges Bild deines Herz-Kreislauf-Risikos. Frag deinen Arzt auch nach deinem Reststoffcholesterin – besonders wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Alzheimer in deiner Familie vorkommen.
Cholesterin ist kein Feind: Dein Körper braucht es für Zellmembranen, Hormone und Nervengewebe. Im Mittelpunkt stehen meistens LDL ('schlechtes') und HDL ('gutes') Cholesterin – doch eine dritte Fraktion wird häufig übersehen: das Reststoffcholesterin. Es ergibt sich aus dem Gesamtcholesterin minus LDL minus HDL. Humanstudien zeigen, dass es ein eigenständiger Risikofaktor für Arterienverkalkung ist, selbst wenn dein LDL-Wert völlig unauffällig ist.
Menschen mit normalem LDL, aber erhöhtem Reststoffcholesterin hatten fast doppelt so häufig eine verdickte Halsschlagaderwand – ein frühes Zeichen von Arterienverkalkung1. Ein unauffälliger LDL-Wert im Laborbefund erzählt also längst nicht die ganze Geschichte.
Nicht nur die Menge, auch der Transport von Cholesterin spielt eine Rolle. Die genetische Variante APOE4, die das Alzheimerrisiko erhöht, baut Cholesterin in Hirnzellen schlechter ab. Dazu gibt es bisher nur Zellexperimente: In diesen führt das zu einer Anreicherung von Cholesterin und zu höheren Konzentrationen von Proteinen, die mit Alzheimer in Verbindung stehen2. Trägst du das APOE4-Gen oder gibt es Alzheimer in deiner Familie, ist das ein zusätzlicher Grund, das Thema mit deinem Arzt zu besprechen.
In Mausstudien zu ALS führte ein Cholesterinüberschuss im Nervensystem zu einer lückenhaften Schutzschicht um Nervenfasern. Ein cholesterinbindender Wirkstoff verlängerte die Lebenserwartung bei weiblichen, nicht aber bei männlichen Mäusen3. Außerdem zeigte sich, dass Immunzellen, die Krebszellen bekämpfen sollen, unter Cholesterinmangel leiden, während Tumorzellen selbst besonders cholesterinreich sind4.
Ob ein Zusammenhang zwischen Cholesterin und Angst oder Depression besteht, ist wissenschaftlich kaum belegt. In einer Studie mit 85 Patienten, die unter Panikattacken, Angststörungen oder Depressionen litten, wurden keine nennenswerten Unterschiede im Gesamtcholesterin festgestellt5.
Alle Aussagen stützen sich auf die angegebenen PMIDs. Die meisten Studien sind observationeller oder experimenteller Natur (Zell- und Tierversuche). Randomisierte kontrollierte Studien sind in diesem Datensatz nicht enthalten. Die Studie zu Halsschlagaderveränderungen umfasst lediglich 63 Patienten. Kausale Schlussfolgerungen lassen sich auf Basis dieses Materials nicht ziehen.