Darmbakterien und Bewegung prägen gemeinsam die Muskel-Alterung
Muskelschwund im Alter wird meist auf Bewegungsmangel zurückgeführt. Doch die Zusammensetzung der Darmbakterien scheint eine ebenso wichtige Rolle zu spielen. Neue Forschungsergebnisse zeigen, wie beide Faktoren zusammenwirken und gemeinsam bestimmen, wie rasch die Muskulatur mit dem Alter abbaut.
Sarkopenie bezeichnet den fortschreitenden Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft im Laufe des Alterns. Sie ist eine der Hauptursachen für Gebrechlichkeit im höheren Lebensalter und erhöht das Risiko für Stürze, körperlichen Funktionsverlust und vorzeitigen Tod. Bewegung gilt als der am besten belegte Schutzfaktor. Doch das Darmmikrobiom – die Gemeinschaft von Bakterien im Dickdarm – scheint einen vergleichbar starken Einfluss auszuüben.
Darmbakterien verschieben sich ab der Lebensmitte ungünstig
Ein narratives Übersichtswerk, das via Fight Aging! besprochen wird, stellt fest, dass sich das Darmmikrobiom bereits ab Mitte dreißig in eine ungünstige Richtung verändert. Bakterien, die entzündungsfördernde Verbindungen produzieren, nehmen zu. Bakterien, die nützliche Stoffwechselprodukte liefern – darunter kurzkettige Fettsäuren, die Darmzellen ernähren und Entzündungen dämpfen –, gehen zurück. Diese Verschiebung scheint laut den Forschenden direkt mit der Muskel-Alterung zu interagieren.
Körperliche Aktivität kommt nicht nur den Muskeln unmittelbar zugute, sondern verändert auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms in eine günstigere Richtung. Umgekehrt scheinen bestimmte Darmbakterien den Muskelstoffwechsel und die Erholung nach körperlicher Belastung zu unterstützen. Die Wechselwirkung verläuft in beide Richtungen.
Was sich heute bereits tun lässt
Stuhltransplantationen von jungen auf alte Tiere verlängern in Tiermodellen die Lebensspanne und verbessern den Gesundheitszustand – doch wie eine ideale Mikrobiom-Zusammensetzung aussieht, um Muskelmasse beim Menschen zu erhalten, ist noch ungeklärt. Probiotika können das Darmmikrobiom vorübergehend verschieben, allerdings mit begrenzter Kontrolle über das konkrete Ergebnis. Die Forschenden betonen, dass Bewegung und Mikrobiom-Gesundheit sich gegenseitig verstärken und beide zusammen notwendig sind. Selbst körperlich fitte Menschen verlieren mit der Zeit Muskelmasse. Ein besseres Verständnis der Darm-Muskel-Achse könnte neue Ansatzpunkte für künftige Therapien eröffnen.
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