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Forschung · Darm & Mikrobiom

Ein Darmbakterium bei Hundertjährigen schützt die Darmwand

Redaktion LongevityWatch · 5. August 2026 · 1 min · English

Menschen, die hundert Jahre alt werden, haben ein deutlich anderes Darmmikrobiom. Ein Bakterium sticht dabei heraus: Clostridium scindens. Neue Experimente an Mäusen deuten darauf hin, dass es die Darmwand schützt, die im Alter zunehmend durchlässiger wird.

Die Darmwand fungiert als Filter: Sie lässt Nährstoffe passieren und hält zugleich schädliche Bakterien sowie Stoffwechselprodukte aus dem Blutkreislauf fern. Mit zunehmendem Alter verliert dieser Filter an Effizienz. Die Wand wird durchlässiger, sodass unerwünschte Substanzen in den Körper gelangen und chronische Entzündungsprozesse befeuern können – ein Vorgang, der mitunter als Inflammaging bezeichnet wird. Dies trägt zu einer Reihe altersbedingter Erkrankungen bei.

Die Forschenden analysierten das Darmmikrobiom von Hundertjährigen mit einem Netzwerkansatz statt der üblichen Methode, die auf Häufigkeitsverteilungen basiert. Anstatt lediglich zu zählen, welche Bakterien vorhanden sind, untersuchten sie, wie die Bakterien miteinander interagieren. Clostridium scindens erwies sich dabei als sogenanntes Schlüsseltaxon: ein Bakterium, das das Netzwerk stabilisiert, unabhängig von seiner eigenen Anzahl.

Von Tryptophan zur Regeneration

Wie bewerkstelligt das Bakterium das? Clostridium scindens wandelt die Aminosäure Tryptophan in Indol-3-Essigsäure (IAA) um, eine Verbindung, die den AHR-Rezeptor in Darmzellen aktiviert. Diese Aktivierung steigert die Produktion von Claudin-10, einem Protein, das die Verbindungen zwischen den Darmzellen eng verschlossen hält. Bei gealterten Mäusen ließ sich die Durchlässigkeit des Darms messbar senken, indem entweder das Bakterium selbst oder IAA allein verabreicht wurde.

Vorsichtiger Optimismus

Diese Befunde sind vorläufig. Die Experimente wurden an Mäusen durchgeführt, und ob derselbe Mechanismus beim Menschen greift, ist noch nicht belegt. Die erhöhten Werte von Clostridium scindens bei Hundertjährigen belegen zudem eine Assoziation, keinen Kausalzusammenhang. Aus Sicht der Langlebigkeitsforschung sind die Ergebnisse dennoch bemerkenswert: Ein spezifisches Bakterium, das über einen definierten molekularen Signalweg einen der frühesten Treiber des Alterungsprozesses abschwächen kann, bietet ein konkretes Ziel für künftige Forschung zu probiotischen oder diätetischen Interventionen.

Die Studie wurde in iMeta veröffentlicht.

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