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Forschung · Immunsystem

Ein gealtertes Immunsystem lässt alte Zellen unkontrolliert wuchern

Redaktion LongevityWatch · 20. August 2026 · 1 min · English

Der Körper produziert ständig Zellen, die ihre Aufgabe erfüllt haben und sich nicht mehr teilen. Normalerweise räumt das Immunsystem sie rasch weg. Mit zunehmendem Alter funktioniert dieser Prozess immer schlechter.

Zellen, die sich nicht mehr teilen, bezeichnet man als seneszente Zellen. Sie werden größer, stellen die Replikation ein und setzen kontinuierlich entzündungsfördernde Signale ins umliegende Gewebe frei. In jungen Jahren spüren Immunzellen sie zuverlässig auf und beseitigen sie. Mit dem Alter gerät dieses Gleichgewicht zunehmend aus den Fugen.

Die Studie, veröffentlicht in Frontiers in Genetics, beschreibt im Detail, wie das Immunsystem selbst durch einen Prozess namens Immunoseneszenz altert: Immunzellen werden schlechter darin, seneszente Zellen aufzuspüren, und einige schwenken auf einen entzündungsfördernden statt auf einen aufräumenden Zustand um. Das Ergebnis ist eine schleichende Ansammlung seneszenter Zellen im Gewebe des gesamten Körpers.

Seneszente Zellen entziehen sich der Erkennung

Erschwerend kommt hinzu, dass seneszente Zellen keineswegs passiv sind. Sie verändern Proteine auf ihrer Oberfläche und machen es Immunzellen dadurch schwerer, sie zu erkennen. Sie entziehen sich aktiv der Beseitigung. Die von ihnen erzeugte Entzündung trägt zudem dazu bei, dass die Immunzellen selbst schneller altern. Beide Prozesse schaukeln sich gegenseitig hoch.

Für die Langlebigkeitsforschung ist das bedeutsam. Häufen sich seneszente Zellen an, stören die von ihnen ausgesendeten Entzündungssignale Struktur und Funktion des Gewebes. Das gilt als ein Faktor bei altersbedingten Erkrankungen, der vom Muskelschwund bis zum kognitiven Abbau reicht.

Zwei Forschungsansätze

Forschende verfolgen zwei Richtungen. Die erste zielt darauf ab, seneszente Zellen mit niedermolekularen Wirkstoffen, sogenannten Senolytica, direkt abzutöten. Die zweite setzt darauf, die Fähigkeit des Immunsystems wiederherzustellen, diese Zellen selbst zu beseitigen. Beide Ansätze befinden sich noch überwiegend in frühen Laborstadien. Welcher sich beim Menschen als wirksamer erweisen wird, ist offen.

Die Autoren skizzieren mögliche Strategien zur Stärkung der Immunüberwachung, betonen jedoch, dass diese vorerst theoretischer Natur sind. Klinische Anwendungen gibt es bislang nicht.

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