Ein offener Wettbewerb für bessere Alterungsuhren
Dass biologisches Alter vom kalendarischen Alter abweicht, ist bekannt. Doch wie lässt es sich zuverlässig messen? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind uneins. Nature Aging eröffnet das Feld nun einem öffentlichen Vergleich.
Alterungsuhren sind Messinstrumente, die anhand biologischer Signale abschätzen, wie schnell ein Mensch altert. Die bekanntesten darunter sind epigenetische Uhren, die chemische Veränderungen an der DNA verfolgen, die sich mit dem Alter verschieben. Daneben gibt es Uhren, die auf Blutproteinen, Metaboliten, Zelleigenschaften und anderen Biomarkern basieren. Das Forschungsfeld wächst rasch, doch ein einheitlicher Standard zur Beurteilung, welche Uhr tatsächlich am besten funktioniert, fehlt bislang.
Eine neue Initiative will das ändern. Die Forschenden starten in Nature Aging einen offenen Wettbewerb für Alterungsbiomarker. Ziel ist eine transparente, öffentliche Plattform, auf der verschiedene Uhren anhand identischer Datensätze getestet und verglichen werden.
Standardisierung als wissenschaftliches Problem
Der Mangel an Standardisierung ist ein ernstes Problem. Eine Uhr, die auf einem Datensatz gute Ergebnisse liefert, muss das auf einem anderen nicht zwingend tun. Hinzu kommt, dass die Kriterien für „gute Ergebnisse" variieren: Sagt die Uhr die Sterblichkeit vorher? Krankheiten? Körperlichen Abbau? Reagiert sie auf eine Intervention? Ein Wettbewerbsformat zwingt Forschende dazu, dieselben Fragen an denselben Daten zu beantworten – und macht Vergleiche erst möglich.
Die Initiative befindet sich noch in einem frühen Stadium, und vollständige Details zum Wettbewerbsprotokoll liegen im Quelltext nicht vor. Die Richtung ist jedoch eindeutig: Das Feld will weg davon, dass jede Forschungsgruppe ihre eigene Uhr anhand eigener Daten bewirbt.
Bedeutung für die Longevity-Forschung
Für die Longevity-Forschung ist die zuverlässige Messung des biologischen Alters eine zentrale Herausforderung. Ohne verlässliche Uhren lässt sich kaum feststellen, ob eine Intervention, sei es Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel oder Medikament, den Alterungsprozess tatsächlich verlangsamt. Bessere, standardisierte Biomarker würden klinische Studien in diesem Bereich deutlich glaubwürdiger machen.