Wie kann ich mein biologisches Alter messen?
Epigenetische Uhren, insbesondere GrimAge und PhenoAge, bieten derzeit die beste Schätzung deines biologischen Alters, sind aber noch nicht für den einfachen Heimgebrauch geeignet und erfordern fachkundige Interpretation.
DNA-Methylierung ist derzeit die am besten belegte Methode, um das biologische Alter abzuschätzen. Spezielle Messwerkzeuge, sogenannte epigenetische Uhren, lesen Muster aus der Art und Weise, wie deine DNA 'markiert' ist, ohne dass sich der genetische Code selbst verändert. Diese Muster verschieben sich mit zunehmendem Alter auf vorhersehbare Weise, sodass sich abschätzen lässt, wie alt dein Körper biologisch betrachtet aussieht.
Zwei Uhren stechen wegen ihrer Vorhersagekraft besonders hervor. GrimAge, das unter anderem die Rauchgeschichte und bestimmte Proteinspiegel im Blut einbezieht, sagte in Studien mit Tausenden von Teilnehmern zuverlässig vorher, wer früher starb, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bekam oder Krebs entwickelte. Eine zweite Uhr, PhenoAge, basiert auf klinischen Messwerten und schneidet bei der Vorhersage von Sterblichkeit, körperlicher Funktionsfähigkeit und Erkrankungen wie Alzheimer besser ab als ältere Uhren. Wer epigenetisch 'älter' ist als sein Kalenderalter, weist im Durchschnitt auch mehr chronische Entzündungsaktivität und schlechter funktionierende Mitochondrien in seinen Zellen auf.
Neben der DNA-Methylierung gibt es Methoden, die Genaktivität, Proteinprofile oder Stoffwechselprodukte untersuchen. Mit maschinellem Lernen werden diese Daten zu neuen Arten von 'Uhren' kombiniert. Welche Kombination am besten funktioniert, ist noch Gegenstand aktiver Forschung.
Telomerlänge, die Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, wird ebenfalls gelegentlich als Maßstab für das biologische Alter genannt. Aktuelle Reviews ordnen sie jedoch klar unter den epigenetischen Methoden ein, mit einem geringeren Vorhersagewert.
Es gibt noch erhebliche Einschränkungen. Epigenetische Uhren reagieren empfindlich auf die Zusammensetzung der Zelltypen in einer Blutprobe, was das Ergebnis beeinflussen kann. Wie die Ergebnisse genau zu interpretieren sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Und dass ein höheres biologisches Alter mit schlechteren Gesundheitsverläufen zusammenhängt, bedeutet noch nicht, dass die Uhr auch anzeigt, ob eine Behandlung wirklich etwas verändert. Dafür sind langfristige Folgestudien erforderlich.
Alle Aussagen basieren auf Reviews. GrimAge wurde in großen Studien (Tausende von Personen) validiert. Longitudinale Interventionsdaten fehlen. Alle Zusammenhänge sind assoziativer Natur, kein Nachweis von Kausalität.