Alterst du schneller, wenn du chronische Schmerzen hast?
Es gibt keinen direkten Beleg dafür, dass chronische Schmerzen das biologische Altern beschleunigen – die Inaktivität, die häufig damit einhergeht, ist jedoch ein nachgewiesener Risikofaktor für vorzeitigen körperlichen Abbau. Körperlich aktiv zu bleiben, so eingeschränkt es auch sein mag, ist das Wirksamste, was du dagegen tun kannst.
Die vorliegenden Studien liefern keinen direkten Beleg dafür, dass chronische Schmerzen für sich genommen das biologische Altern beschleunigen. Die Wissenschaft beschreibt chronische Schmerzen zwar als Erkrankung mit weitreichenden körperlichen, psychologischen und sozialen Folgen – eine unmittelbare Verbindung zu Alterungsprozessen wie Zellseneszenz oder DNA-Schäden findet sich in der gesichteten Literatur jedoch nicht.
Gut belegt ist dagegen, dass körperliche Inaktivität, die bei chronischen Schmerzen sehr häufig vorkommt, eng mit beschleunigtem körperlichem Abbau und einer verkürzten Lebenserwartung zusammenhängt. Bewegungsmangel erhöht außerdem das Risiko für rund 35 verschiedene Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Muskelschwund und kognitiven Abbau. Wenn chronische Schmerzen deine Mobilität einschränken, können diese Folgen auf diesem Umweg durchaus eintreten – verantwortlich dafür ist aber die Inaktivität selbst, nicht der Schmerz direkt.
Bei der Behandlung chronischer Schmerzen zeigt die Forschung, dass cannabisbasierte Medikamente den Schmerz bei etwa dreißig Prozent der Betroffenen um mindestens dreißig Prozent reduzieren können. Das ist ein relevanter Effekt. Diese Mittel gehen jedoch auch mit ernsthaften Nebenwirkungen einher: Psychische Beschwerden, Magen-Darm-Probleme und Schläfrigkeit werden häufig genannt, und die Verträglichkeit ist mäßig. Sie sind also keine risikofreie Option.
Ob chronische Schmerzen das Altern direkt beschleunigen, lässt sich auf Basis der aktuellen Studienlage nicht sagen. Was du hingegen beeinflussen kannst, ist die körperliche Inaktivität, die oft damit einhergeht. Körperlich aktiv zu bleiben oder die Aktivität schrittweise wiederherzustellen – auch in angepasster Form – erscheint nach dem derzeitigen Forschungsstand als der konkreteste Weg, um den breiteren Gesundheitsschaden zu begrenzen.
Die Aussagen stützen sich auf fünf PMID-Quellen. Eine Quelle beschreibt die Definition chronischer Schmerzen (PMID 30586068), ohne einen Bezug zum Altern herzustellen. Eine weitere Quelle (PMID 23798298) belegt die Folgen von Inaktivität. Eine Quelle (PMID 37648266) befasst sich mit cannabisbasierter Schmerzmedikation. Metaanalysen oder RCTs, die chronische Schmerzen direkt mit biologischem Altern verknüpfen, liegen nicht vor.