Beschleunigt Übergewicht die Alterung?
Übergewicht beschleunigt die biologische Alterung nachweislich, doch die metabolische Gesundheit zählt mindestens genauso viel wie die Zahl auf der Waage. Abnehmen und Bewegen helfen, und je früher du damit anfängst, desto größer der Vorteil.
Langjähriges Übergewicht seit der Kindheit hinterlässt bereits im jungen Erwachsenenalter deutliche Spuren. Menschen zwischen 28 und 31 Jahren, die schon seit ihrer Jugend mit Adipositas lebten, wiesen signifikant höhere Entzündungswerte auf (mit großen Effektstärken), eine beschleunigte epigenetische Uhr und kürzere Telomere als Gleichaltrige mit gesundem Gewicht.
Telomere sind die schützenden Kappen an den Enden der Chromosomen. Übergewicht erzeugt oxidativen Stress, also schädliche Sauerstoffverbindungen in den Zellen, die diese Kappen verkürzen und die DNA schädigen. Der Körper repariert diesen Schaden schlechter als unter normalen Bedingungen. Das gilt auch für das Fettgewebe selbst: Bei Adipositas häufen sich gealterte Fettzellen an, was chronische Entzündungen, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes begünstigt. Dieser Schaden breitet sich anschließend auf andere Organe aus.
Die Folgen für Herz und Blutgefäße sind ebenfalls messbar belegt. Pro zusätzlichem Jahr biologischer Altersbeschleunigung stieg das Schlaganfallrisiko um 68 % und das Herzerkrankungsrisiko um 35 %. Biologische Altersbeschleunigung erklärte 10 bis 25 % des Zusammenhangs zwischen Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Effekt war am stärksten bei Menschen zwischen 45 und 65 Jahren.
Nicht jedes Kilo zu viel führt automatisch zu diesem beschleunigten Alterungsprozess. Menschen mit Übergewicht, aber normalen Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerten zeigten keine beschleunigte Zunahme ihrer körperlichen Anfälligkeit. Erst die Kombination aus Übergewicht und einem gestörten Stoffwechselprofil erwies sich als schädlich. Die Stoffwechselgesundheit ist damit mindestens genauso relevant wie die Zahl auf der Waage.
Weniger Kalorien und mehr Bewegung zusammen verlangsamen die molekularen Schäden, die mit Adipositas zusammenhängen, darunter Telomerverkürzung und oxidativer Stress. Zeitlich begrenztes Essen und mediterrane Ernährung werden in diesem Zusammenhang ebenfalls genannt; dazu gibt es bisher aber nur wenige Humanstudien, sodass sich noch keine belastbaren Schlussfolgerungen ziehen lassen.
Alle Aussagen stammen aus Beobachtungsstudien und mechanistischen Übersichtsarbeiten. Eine große randomisierte klinische Studie zur Gewichtsreduktion mit biologischer Alterung als primärem Endpunkt liegt nicht vor. Kausalität ist plausibel, für einzelne Teilzusammenhänge jedoch nicht zweifelsfrei belegt.