Bringen Peptide in der Hautpflege wirklich etwas?
Peptide in Cremes klingen auf dem Papier überzeugend, doch die klinische Evidenz für die topische Anwendung ist dünn. Wer aktiv etwas gegen das Altern der Haut unternehmen möchte, findet bei oralen Kollagenpeptiden derzeit die bessere Datenlage, sollte diese aber mit einer gewissen Vorsicht bewerten.
Mit zunehmendem Alter baut die Haut Kollagen und Elastin ab, was Falten und Elastizitätsverlust zur Folge hat. Dieser Mechanismus ist gut verstanden. Peptide in der Hautpflege sollen diesen Prozess verlangsamen oder umkehren. Ob das beim Auftragen auf die Haut tatsächlich funktioniert, ist eine andere Frage.
Topisch angewendete Peptide lassen sich grob in vier Typen einteilen. Signalpeptide versuchen, Hautzellen zur verstärkten Kollagenproduktion anzuregen. Das wurde im Labor nachgewiesen, eine messbare Verbesserung beim Menschen haben Studien aber nicht überzeugend gezeigt. Sogenannte Matrikine entstehen beim natürlichen Abbau von Hautproteinen und können den Gewebeumbau fördern oder verschlechtern. Reviews weisen darauf hin, dass ihre Wirkmechanismen schlecht verstanden sind. Eine systematische Übersichtsarbeit kommt außerdem zu dem Schluss, dass für viele frei erhältliche Anti-Aging-Produkte, Peptide eingeschlossen, solide klinische Daten schlicht fehlen.
Ein praktisches Problem ist, dass ein Peptid nur dann wirkt, wenn es in der Creme stabil bleibt, durch die Haut aufgenommen wird und am richtigen Ort aktiv ist. Diese drei Voraussetzungen gleichzeitig zu erfüllen ist schwierig, und die meisten Produkte wurden daraufhin nie getestet.
Etwas besser sieht die Datenlage bei oralen Kollagenpeptiden aus. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie zeigte nach vier Wochen eine höhere Kollagendichte in der Haut und nach acht Wochen eine verbesserte Feuchtigkeitsversorgung. Diese Effekte hielten bis zur zwölften Woche an. Einer der Autoren war jedoch mit einem Kollagenhersteller verbunden, was die Ergebnisse verzerrt haben könnte.
Eine biologisch plausible Erklärung, warum Peptide wirken könnten, existiert also durchaus, und für die orale Anwendung liegen erste positive Befunde vor. Für Peptide in Cremes und Seren fehlt ein starker klinischer Nachweis. Solange keine besser konzipierten Studien vorliegen, solltest du die Versprechen auf der Verpackung nicht unkritisch übernehmen.
Die Evidenzbasis umfasst sechs Reviews, eine systematische Übersichtsarbeit und eine randomisierte placebokontrollierte Studie (orale Kollagenpeptide, n nicht genau angegeben, aber zwei klinische Studien beschrieben). Große unabhängige Metaanalysen speziell zu topischen Peptiden sind nicht verfügbar. Bei der einzigen RCT liegt ein Interessenkonflikt vor.