Kann Rapamycin Hautalterung verbessern?
Äußerlich angewendetes Rapamycin zeigte in einer kleinen Studie vielversprechende Hinweise auf eine Verbesserung der Hautalterung, doch die Datenlage ist zu dünn, um es eigenständig anzuwenden.
In einer kleinen RCT mit 36 Teilnehmenden sank nach äußerlicher Anwendung von Rapamycin der Spiegel eines Proteins, das anzeigt, wie viele ruhenden Seneszenz-Zellen sich in der Haut befinden (P=0,008). Gleichzeitig stieg die Menge an Kollagen VII, dem Protein, das die Grenzschicht zwischen Oberhaut und Lederhaut zusammenhält (P=0,0077). Bei mehreren Teilnehmenden verbesserte sich auch das sichtbare Hautbild1,2. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden brach die Studie vorzeitig ab, weshalb die Ergebnisse als vorläufig gelten.
Der Wirkmechanismus ist biologisch gut nachvollziehbar. Mit zunehmendem Alter häufen sich in der Haut seneszente Bindegewebszellen an. Diese setzen entzündungsfördernde Botenstoffe frei, die das Bindegewebe schädigen und zu Falten, Hautverdünnung und Erschlaffung beitragen3. Rapamycin hemmt ein zentrales Wachstumssignal in diesem Alterungsprozess, und das Modell ist biologisch schlüssig.
In einer Laborstudie mit kultivierten menschlichen Haarfollikeln regte Rapamycin das Haarwachstum und die Pigmentbildung an, selbst in grauen Follikeln mit noch lebenden Pigmentzellen4. Das ist für die Forschung zu Haarausfall und Ergrauen interessant. Dazu gibt es bisher nur Laborergebnisse, keine Daten aus Studien am lebenden Menschen.
Zur Sicherheit: Als Tablette oder Infusion schwächt Rapamycin das Immunsystem und kann die Wundheilung beeinträchtigen. In der kleinen RCT zur äußerlichen Anwendung traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf, doch war die Studie zu klein und zu kurz, um das zuverlässig zu beurteilen2,5. Fachkommentare betonen, dass vor einem breiten Einsatz noch erhebliche Fragen zu klären sind. Eine eigenständige äußerliche Anwendung von Rapamycin ist deshalb verfrüht.
Alle Aussagen beruhen auf einer einzigen kleinen RCT (n=36, PMID 31761958), ergänzenden Kommentar- und Übersichtsartikeln (PMID 32227278, 38040661, 38615608, 31895693) sowie einer Laborstudie mit menschlichen Haarfollikeln (PMID 37212043). Große oder replizierte RCTs fehlen bislang.