Bringt der Blaulichtfilter auf meinem Smartphone wirklich etwas für meinen Schlaf?
Ein Blaulichtfilter auf dem Smartphone hat wahrscheinlich kaum Einfluss auf den Schlaf. Wer den Schlaf wirklich über Licht verbessern möchte, sollte abends auf warmes, gelbliches Licht statt auf kaltes Weiß umstellen.
Eine Blaulichtfilter-App auf dem Smartphone hilft wahrscheinlich wenig. Eine Beobachtungsstudie fand keinen Zusammenhang zwischen der Nutzung solcher Apps und besserem Schlaf. Ein Tablet-Experiment zur Facebook-Nutzung zeigte zudem: Blaues Licht allein herauszufiltern reichte nicht aus. Nur die Kombination aus Blaulichtreduktion und dem Wegfall ablenkender sozialer Inhalte hatte einen messbaren Effekt.
Blaulichtfilter-Brillen liefern ein uneinheitlicheres Bild. Sechs kleinere randomisierte kontrollierte Studien teilen sich sauber in zwei Lager: Drei berichteten von Verbesserungen, drei fanden nichts. Die Cochrane-Analyse bewertet die Qualität dieser Daten als sehr niedrig. Zwei separate Experimente mit Beschäftigten zeigten zwar Verbesserungen beim Schlaf und sogar bei der Arbeitsleistung, doch die Gruppen waren klein und der Kontext spezifisch. Abendtypen schienen stärker zu profitieren als Morgentypen.
Die Wahl der Raumbeleuchtung scheint mehr Einfluss zu haben als jeder Displayfilter. Kaltweißes LED-Licht oder Leuchtstofflicht hemmt die körpereigene Melatoninproduktion deutlich stärker als warmweißes Licht. Stellst du deine LED-Lampe am Abend auf eine warme Farbtemperatur von rund 2100 Kelvin ein, sinkt diese Hemmung auf nahezu null. Das ist wirksamer als die meisten Blaulichtfilter-Brillengläser: Im gleichen Laborversuch überzeugten nur zwei braun getönte Modelle, während Standardgläser kaum etwas bewirkten.
Der Cochrane-Review fand keine Hinweise darauf, dass Blaulichtfilter-Brillen digitale Augenermüdung lindern. Nebenwirkungen traten selten auf, waren aber bei einem Teil der Nutzerinnen und Nutzer vorhanden, darunter leichte Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen.
Basierend auf einem Cochrane-Review (6 RCTs, 148 Teilnehmer), zwei kleineren experimentellen Beschäftigtenstudien (n=63 und n=67), einer Beobachtungsstudie zur Smartphone-Nutzung, einem Tablet-Experiment, einer Metaanalyse zu Augenlinsenimplantaten (8 Studien, 1007 Patientinnen und Patienten) sowie einer Laborstudie mit 52 Lampen. Alle Humanstudien sind klein; die Evidenz zur App-Nutzung ist rein beobachtend.