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Erhöhen GLP-1-Agonisten das Risiko für Gallensteine und Pankreatitis?

Moderate Evidenz

GLP-1-Agonisten erhöhen das Risiko für Gallensteine messbar, während das Pankreatitisrisiko in den größeren Studien nicht ansteigt. Wer bereits Gallensteine hat oder früher eine Pankreatitis durchgemacht hat, sollte das ausdrücklich mit seiner Ärztin oder seinem Arzt klären.

Gallensteine treten bei Menschen, die GLP-1-Agonisten einnehmen, häufiger auf. Mehrere große Studien zeigen dieses Muster konsistent: 30 % höheres Risiko für Gallensteine im Vergleich zu anderen Wirkstoffen, 15 % mehr Gallenwegserkrankungen gegenüber SGLT2-Hemmern und nach zwei- bis dreijähriger Anwendung bis zu 44 % mehr Gallensteine bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Semaglutid und Dulaglutid scheinen die Gallensteinbildung stärker zu fördern als Liraglutid und Exenatid. In absoluten Zahlen sind es weniger als ein zusätzlicher Fall pro 1.000 Behandlungsjahre, doch nach drei Jahren Anwendung steigt auch das Risiko für eine Gallenblasenentzündung und eine Gallenblasenentfernung messbar an.

Bei Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) sieht das Bild anders aus. Eine Auswertung von mehr als hundert randomisierten Studien zeigte kein signifikant erhöhtes Risiko. Eine große dänische Studie mit über 12.000 Pankreatitispatientinnen und -patienten fand ebenfalls keinen Zusammenhang, und eine Untersuchung mit mehr als 1,2 Millionen Patientinnen und Patienten, die GLP-1-Agonisten mit SGLT2-Hemmern verglich, sah keinen Unterschied. Eine frühe US-amerikanische Untersuchung hatte seinerzeit ein erhöhtes Risiko gefunden, war jedoch eine Beobachtungsstudie, bei der Störfaktoren wie Adipositas, Gallensteine und Alkoholkonsum die Ergebnisse wahrscheinlich verzerrt haben.

Ein bemerkenswerter Befund: Bei Menschen, die trotz GLP-1-Anwendung eine Pankreatitis entwickelten, verlief diese leichter. Das Risiko für einen komplizierten Verlauf war in der GLP-1-Gruppe mehr als doppelt so niedrig, und auch Todesfälle durch Pankreatitis traten seltener auf. Dieser Befund stammt bislang aus einer einzigen retrospektiven Untersuchung und muss durch weitere Studien bestätigt werden.

Nicht alle tragen dasselbe Risiko. Bei Menschen, die GLP-1-Agonisten gegen Adipositas einnahmen, erhöhten eine frühere Gallensteinerkrankung oder eine durchgemachte Pankreatitis das Pankreatitisrisiko deutlich (etwa drei- beziehungsweise fünffach). Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rauchen erhöhten das Risiko. Wer diese Risikofaktoren mitbringt, sollte das vor Beginn einer GLP-1-Therapie mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen. Tirzepatid, ein Kombinationspräparat, das zusätzlich an einem weiteren Hormonrezeptor wirkt, zeigte gegenüber Placebo ein knapp zweifach erhöhtes Risiko für Gallenwegserkrankungen, nicht jedoch gegenüber anderen GLP-1-Agonisten.

Die Belege
8 Studien · 2 Meta-Analysen · ≈ 1.400.000 Teilnehmer

Die Evidenzlage zu Gallensteinen stützt sich auf mehrere große Studien, darunter Auswertungen von mehr als hundert randomisierten Studien und Untersuchungen mit mehr als einer Million Patientinnen und Patienten, was den Befund belastbar macht. Die Evidenzlage zur Pankreatitis ist in den größeren und methodisch stärkeren Studien auffällig konsistent negativ; das frühe positive Signal aus dem Jahr 2013 steht mehreren späteren, größeren Untersuchungen gegenüber, die keinen Effekt zeigen. Der Befund, dass eine Pankreatitis unter GLP-1-Anwendung leichter verläuft, ist vorläufig und stammt aus einer einzigen retrospektiven Untersuchung. Die Risikofaktoranalyse bei Personen mit Adipositas basiert auf einer vergleichsweise kleinen Gruppe und bedarf der Bestätigung.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026 · wie das beurteilt wurde
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