Welche Nahrungsergänzungsmittel sind bei Nierenschäden riskant?
Ja, mehrere Nahrungsergänzungsmittel sind bei Nierenschäden nachweislich riskant. Kräuterpräparate (vor allem solche mit Aristolochiasäure), Germanium-Nahrungsergänzungsmittel sowie hohe Dosen Vitamin D oder C stechen besonders hervor. Wer bereits Nierenprobleme hat, sollte jedes Nahrungsergänzungsmittel mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen.
Pflanzenpräparate mit Aristolochiasäure, einem Wirkstoff aus bestimmten chinesischen Kräutermitteln, sind die am stärksten belegte Ursache für Nierenschäden. Die Schäden sind schwerwiegend, teils dauerhaft und können zu vollständigem Nierenversagen führen. Kräuterpräparate im Allgemeinen bergen ein breites Risikospektrum: Verunreinigungen mit Schwermetallen, falsche Etikettierung oder direkte Pflanzengifte können akutes Nierenversagen, Nierensteine oder chronische Vernarbungen des Nierengewebes verursachen. Bei Menschen mit vorbestehenden Nierenschäden kommen gefährlich erhöhte Kaliumspiegel und Blutdruckanstiege hinzu.
Germanium-Nahrungsergänzungsmittel, die bisweilen als Immunstärker vermarktet werden, haben bei achtzehn dokumentierten Personen schweres Nierenversagen verursacht, zwei davon starben. Nach dem Absetzen erholte sich die Nierenfunktion nicht vollständig. Dieses Produkt bietet keinen nachgewiesenen Nutzen und ist mit ernsthaften Risiken verbunden; Vermeiden ist die einzig sinnvolle Wahl.
Zu hohe Vitamin-D-Dosen können über eine Kalziumanreicherung im Körper Nierenschäden verursachen. Das gilt nicht für eine normale Supplementierung, aber bei dauerhafter Einnahme stark dosierter Präparate im Bereich einer Hypervitaminose ist das Risiko real. Hohe Vitamin-C-Dosen bergen ein vergleichbares Risiko, besonders wenn die Nieren bereits nicht mehr optimal arbeiten.
Kreatin-Nahrungsergänzungsmittel sind differenzierter zu bewerten. Sie erhöhen vorübergehend einen Blutwert (Serumkreatinin), den Ärzte auch zur Beurteilung der Nierenfunktion heranziehen, was fälschlicherweise den Eindruck eines Nierenschadens erwecken kann. Bei gesunden Menschen handelt es sich dabei wahrscheinlich um eine Messverfälschung, nicht um echten Schaden. Bei Menschen mit vorbestehenden Nierenschäden oder gleichzeitiger Einnahme nierenbelastender Medikamente wird Kreatin jedoch nicht empfohlen, da in diesen Fällen Komplikationen beschrieben wurden. Amygdalin, das auch als „Vitamin B17" verkauft wird, besitzt ebenfalls ein toxisches Potenzial für die Nieren, ist aber weniger gut untersucht.
Bei akutem Nierenversagen gilt zudem, dass jedes Nahrungsergänzungsmittel, auch scheinbar harmlose Vitamine und Mineralstoffe, das Gleichgewicht im Körper stören kann. Sowohl Mängel als auch Überschüsse sind bei stark eingeschränkter Nierenfunktion gefährlich. Wer Nierenschäden hat, sollte jede Supplementierung zuerst mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apothekerin bzw. einem Apotheker besprechen.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere Übersichtsarbeiten, darunter nephrologische und toxikologische Reviews. Die Evidenz für Aristolochiasäure und Kräuterpräparate ist am stärksten; für Germanium sind achtzehn Fälle gut dokumentiert. Für Kreatin, Vitamin C und Vitamin D ist die Datenbasis schmaler; für Amygdalin ist sie am geringsten und es liegen keine großen Fallzahlen vor.
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