Erhöht Hörverlust dein Demenzrisiko, und hilft ein Hörgerät dagegen?
Hörverlust erhöht das Demenzrisiko nachweislich, und ein Hörgerät scheint zu helfen, aber ein bewiesener Schutz für alle ist es noch nicht. Lass Hörverlust in jedem Fall abklären, schon allein wegen der anderen Gesundheitsrisiken, die damit einhergehen.
Hörverlust hängt konsistent mit einem erhöhten Demenzrisiko zusammen. In einer großen Studie mit mehr als 573.000 Menschen war das Risiko bei Hörverlust merklich höher als bei normalem Gehör (Hazard Ratio 1,07). Eine Zusammenfassung von 36 Einzelstudien mit über 20.000 Teilnehmern errechnete eine um den Faktor 1,28 erhöhte Wahrscheinlichkeit für Demenz. Epidemiologische Modelle schätzen, dass Hörverlust im mittleren Lebensalter weltweit für rund 9 % aller Demenzfälle verantwortlich ist, was ihn zu einem der bedeutsameren beeinflussbaren Risikofaktoren macht.
Je schwerer der Hörverlust, desto größer das Risiko. Pro 10 Dezibel zusätzlichem Hörverlust steigt das Risiko um den Faktor 1,27. Höreinschränkungen erwiesen sich außerdem als Risikofaktor für Demenz, die bereits vor dem 65. Lebensjahr auftritt. Der Zusammenhang beschränkt sich also nicht auf Hochbetagte.
Wie Hörverlust genau zur Demenzentwicklung beiträgt, ist bisher nicht abschließend geklärt. Forschende diskutieren mehrere Mechanismen: gemeinsame Hirnpathologie, kognitive Überlastung beim Sprachverstehen und eine reizarme Umgebung, die das Gehirn weniger fordert. Welcher Mechanismus am stärksten wirkt, entscheidet auch darüber, wie groß der tatsächliche Nutzen eines Hörgeräts sein kann.
Zur Frage des Hörgeräts sind die Befunde gemischt. In einer großen dänischen Studie hatten Menschen mit Hörverlust, die ein Hörgerät trugen, ein deutlich niedrigeres Risiko als jene ohne Hörgerät (Hazard Ratio 1,06 gegenüber 1,20). Das bislang einzige große Experiment im Alter von 70 bis 84 Jahren fand über drei Jahre jedoch keinen deutlichen Unterschied im kognitiven Abbau für die Gesamtgruppe. Nur bei älteren Menschen mit bereits mehreren Demenzrisikofaktoren zeigte sich ein Hinweis auf einen günstigen Effekt. Ein Hörgerät ist damit kein bewiesenes Mittel zur Demenzvorbeugung, wenngleich Hinweise bestehen, dass es bei Menschen mit erhöhtem Risiko hilfreich sein könnte.
Unabhängig von Demenz gibt es weitere Gründe, Hörverlust anzugehen. Er hängt mit sozialer Isolation, Depression im Alter, Stürzen und allgemein schlechterer Gesundheit zusammen. Wenn du unter Hörverlust leidest, lohnt es sich, ihn abklären zu lassen.
Basiert auf mehreren großen Untersuchungen und einer Zusammenfassung von 36 Studien (zusammen Zehntausende Teilnehmende) sowie einer Studie (ACHIEVE). Ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht bewiesen; keine einzelne Studie kann hier Ursache und Wirkung abschließend belegen. Umgekehrte Kausalität, also dass eine beginnende Demenz dazu führt, dass Hörverlust unbemerkt bleibt, lässt sich nicht vollständig ausschließen.
Werde ich früher dement, wenn ich schlecht höre?
Schwerhörigkeit hängt mit einem geringen, aber realen Anstieg des Demenzrisikos zusammen. Lass einen Hörverlust frühzeitig abklären und behandeln – erwarte von einem Hörgerät jedoch keinen automatischen Schutz vor Demenz.
Erhöht Depression das Risiko, an Demenz zu erkranken?
Depression hängt stark mit einem erhöhten Demenzrisiko zusammen – ob sie Demenz verursacht oder manchmal ein frühes Anzeichen davon ist, bleibt offen. Da eine Behandlung das Risiko offenbar senkt, lohnt es sich, depressive Beschwerden ernst zu nehmen und mit einem Arzt zu besprechen.
Erhöht Typ-2-Diabetes das Demenzrisiko?
Typ-2-Diabetes erhöht das Demenzrisiko deutlich – und je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer ist dieses Risiko. Eine gute Blutzuckereinstellung und die Wahl des richtigen Medikaments scheinen dabei eine Rolle zu spielen; sprich das mit deinem Arzt an, wenn du Diabetes hast.
Was kann ich konkret tun, um Demenz vorzubeugen?
Verschiedene Lebensstilentscheidungen senken dein Risiko nachweislich, doch keine Maßnahme garantiert, dass du keine Demenz bekommst. Blutdruck regulieren, regelmäßig bewegen, nicht rauchen und geistig aktiv bleiben sind die am besten belegten Schritte, die du gehen kannst.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen deinen Hormonen und dem Demenzrisiko im späteren Leben?
Es gibt belastbare Hinweise, dass Schilddrüsen-, Geschlechts- und Stresshormone alle zum Demenzrisiko beitragen, doch kausale Belege fehlen weitgehend.
Bekomme ich durch schlechten Schlaf eher Demenz?
Schlechter Schlaf erhöht wahrscheinlich dein Demenzrisiko, aber gewöhnliche Schlafprobleme machen Demenz nicht unausweichlich. Eine Ausnahme: Wenn du deine Träume im Schlaf körperlich auslebst, solltest du das mit einem Arzt besprechen.