Lässt sich Demenz durch den Lebensstil verhindern?
Der Lebensstil beeinflusst das Demenzrisiko messbar: Ein Drittel aller Fälle hängt mit veränderbaren Faktoren wie Bewegung, Blutdruck und Rauchen zusammen. Wer bereits ein erhöhtes Risiko hat, profitiert besonders davon, mehrere Stellschrauben gleichzeitig anzugehen.
Etwa ein Drittel aller Demenzfälle hängt mit veränderbaren Risikofaktoren zusammen – zum Beispiel Bewegungsmangel, Rauchen und Bluthochdruck. Das ist keine Garantie, Demenz vollständig abzuwenden, aber es zeigt klar, dass der Lebensstil ernsthaft ins Gewicht fällt.
Am besten belegt sind Bluthochdruck im mittleren Lebensalter, Diabetes, Depression und ein niedriges Bildungsniveau. Eine Übersichtsanalyse, die 243 Beobachtungsstudien und 153 randomisierte Studien zusammenfasste, stuft diese als die zuverlässigsten Zusammenhänge ein. Rauchen erhöht das Risiko ebenfalls, wenn auch mit etwas schwächerer Datenbasis. Es handelt sich dabei um statistische Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursachen: Ob etwa eine Depression Demenz auslöst oder umgekehrt ein frühes Symptom davon ist, lässt sich bislang nicht mit Sicherheit sagen.
Dass Lebensstiländerungen wirklich helfen, belegt auch randomisierte Forschung. Die FINGER-Studie mit 1.260 Teilnehmern über zwei Jahre zeigte, dass eine Kombination aus verbesserter Ernährung, mehr Bewegung, kognitivem Training sowie Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle die geistige Leistungsfähigkeit stärker verbesserte als allgemeine Gesundheitsberatung allein. Zwei vergleichbar angelegte Studien (MAPT und PreDIVA) fanden keinen Effekt in der Gesamtgruppe, wohl aber bei Teilnehmern mit erhöhtem Risiko. Das deutet darauf hin, dass dieser kombinierte Ansatz vor allem dann lohnt, wenn bereits ein erhöhtes Risiko besteht.
Bei Menschen über 80 zeigen Beobachtungsstudien, dass gesunde Ernährung, Bewegung und soziale Aktivitäten vor kognitivem Abbau schützen können – auch bei genetischer Vorbelastung. Randomisierte Studien fehlen für diese Altersgruppe jedoch fast vollständig.
Lebensstiländerungen sind grundsätzlich sicher, aber nicht völlig nebenwirkungsfrei. In der FINGER-Studie berichteten 7 % der aktiv behandelten Teilnehmer von unerwünschten Wirkungen, hauptsächlich Muskel- und Gelenkbeschwerden, gegenüber 1 % in der Kontrollgruppe. Das sollten vor allem gebrechlichere oder ältere Menschen im Blick behalten. Eine Östrogentherapie zur Demenzvorbeugung wird auf Basis solider Evidenz ausdrücklich nicht empfohlen: Sie funktioniert nicht. Für einzelne Nahrungsergänzungsmittel gilt dasselbe – die Studienlage ist gemischt, und für kein einziges Präparat reicht die Datenlage für eine konkrete Empfehlung.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere große prospektive Studien, eine Übersichtsanalyse von 243 prospektiven Studien und 153 randomisierten Studien sowie drei große Multidomänen-Studien (FINGER n=1.260, MAPT, PreDIVA). Für Hochbetagte liegen 27 Beobachtungskohortenstudien vor. Die Evidenz für einzelne Lebensstilfaktoren ist überwiegend beobachtungsbasiert; randomisierte Belege sind begrenzter, aber für Multidomänen-Interventionen vorhanden.