Hat Rotlichttherapie wirklich einen Effekt auf deine Zellen?
Rotlichttherapie hat einen biologisch plausiblen Effekt auf Zellen. Ob der im eigenen Körper klinisch relevant ist, gilt aber als nicht belegt. Wer es ausprobieren möchte, sollte ein kalibriertes Gerät nutzen und die Erwartungen realistisch halten.
Rotes und nahinfrarotes Licht wird von einem bestimmten Protein in den Mitochondrien absorbiert – den Kraftwerken deiner Zellen. Stickstoffmonoxid kann dieses Protein blockieren und die Energieproduktion drosseln; Licht verdrängt das Molekül und setzt sie wieder in Gang. Mehrere Übersichtsarbeiten beschreiben diesen Mechanismus ausführlich, und er ist biologisch gut begründet.
Sobald die Mitochondrien aktiver werden, produziert die Zelle mehr ATP, ihren eigenen Energieträger. Gleichzeitig entstehen kleine Signalmoleküle, die Zellteilung, Zellwanderung und Gewebespezialisierung anstoßen können. In Labor- und Tierversuchen wurde das wiederholt gezeigt.
Eine systematische Übersichtsarbeit von 19 Stammzellstudien zeigt, dass rotes und nahinfrarotes Laserlicht die Teilung von Stammzellen in der Kulturschale bei den meisten Studienpopulationen gefördert hat. Untersucht wurden Stammzellen aus Knochenmark, Zahnfleisch und Fettgewebe. Die Versuchsprotokolle unterschieden sich dabei erheblich von Studie zu Studie. Bisher gibt es dazu nur Labor- und Tierdaten; was in der Petrischale funktioniert, muss im Körper nicht denselben Effekt haben.
Ein praktisches Problem ist die Dosierung. Zu wenig Licht bewirkt kaum etwas; zu viel kann den Effekt umkehren, besonders in Zellen mit vielen Mitochondrien. Studien verwenden durchgehend unterschiedliche Einstellungen für Wellenlänge, Lichtenergie und Behandlungsdauer, was den Vergleich der Ergebnisse erschwert. Heimgeräte sind so gut wie nie auf die Parameter kalibriert, die in wissenschaftlichen Studien eingesetzt werden.
Rotes Licht scheint in geschädigten oder gestressten Zellen anders zu wirken als in gesunden. Bei gesunden Zellen fällt der Effekt kleiner oder anders aus. Das macht es schwer vorherzusagen, was die Technologie bei jemandem bewirkt, der damit einfach jünger oder fitter werden möchte. Bei korrekter Anwendung beschränken sich unerwünschte Wirkungen auf vorübergehende Hautrötungen.
Die Evidenz beruht auf Reviews, einer Metaanalyse/systematischen Review (PMID 30550048) und einer systematischen Review von Stammzellstudien (PMID 25764448). Große randomisierte klinische Studien am Menschen fehlen. Die meisten mechanistischen Daten stammen aus Zell- und Tierversuchen.