Kann Hitze, zum Beispiel in der Sauna, deine Zellen schädigen oder sie stärker machen?
Milde, regelmäßige Hitze wie in der Sauna trainiert deine Zellen nachweislich, doch ob das langfristig immer vorteilhaft ist, steht noch nicht fest. Bei extremer Hitze oder Erkrankungen wie Fieber können die Risiken die Vorteile überwiegen.
Hitze löst in deinen Zellen etwas Bemerkenswertes aus: Sie aktiviert ein uraltes Schutzsystem. Sobald die Temperatur steigt, produzieren Zellen spezielle Proteine, die sich wie molekulare Ersthelfer verhalten. Sie verhindern, dass andere Proteine verklumpen, und helfen beschädigten Proteinen dabei, ihre ursprüngliche Form zurückzugewinnen. Dieses System findet sich in nahezu allen Lebewesen und gehört zu den am besten erforschten Stressreaktionen der Biologie.
Nach dem Hitzereiz räumt die Zelle entstandene Schäden aktiv auf: Beschädigte Proteine werden markiert, damit sie abgebaut oder repariert werden. Dieser Prozess ist unverzichtbar. Zellen, bei denen er nicht richtig funktionierte, konnten grundlegende Abläufe wie die Herstellung und den Transport von Proteinen nicht wiederherstellen. Der Körper behandelt milde Hitze also als Trainingsreiz, nicht als bloßen Schaden.
Wer sich schrittweise an Hitze gewöhnt, etwa durch regelmäßige Saunagänge, verbessert auch auf Organebene seine Widerstandskraft. Organe werden besser gegen schwere Hitzeschäden geschützt. Es gibt sogar einen Kreuzschutz: Wer an Hitze gewöhnt ist, scheint auch anderen Stressformen gegenüber widerstandsfähiger zu sein. Dieser Effekt wurde sowohl bei Tieren als auch bei Menschen nachgewiesen.
Es gibt aber auch eine Kehrseite. Neuere Studien an Mäusen und Menschen legen nahe, dass wiederholter Hitzestress den Stoffwechsel langfristig beeinflussen kann. Hitze könnte über die Haut einen Botenstoff erhöhen, der Hirnzellen dauerhaft verändert und dadurch die Fettspeicherung begünstigt. Bei Mäusen, die anschließend fettreich ernährt wurden, sammelte sich Bauchfett schneller an. Vitamin A schien diesen Effekt abzumildern, sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen. Dazu gibt es bisher jedoch nur vorläufige Daten, die zeigen: Mehr Hitze ist nicht automatisch besser.
Extreme Hitze ist eindeutig gefährlich. Ein Hitzschlag, bei dem die Darmwand durchlässig wird und Giftstoffe ins Blut gelangen, kann zu Entzündungen, Gerinnungsproblemen und dem gleichzeitigen Versagen mehrerer Organe führen. Das Risiko steigt, wenn gleichzeitig Fieber vorliegt oder kürzlich eine Infektion durchgemacht wurde. Anhaltender Hitzestress schädigt zudem bei mehreren Tierarten und beim Menschen die Fruchtbarkeit, sowohl bei Männern als auch bei Frauen.
Aussagen basieren auf PMID 20965420, 26845129, 34739326, 42019490, 23733692, 30767310. Der Hitzeschockprotein-Mechanismus und der Hitzschlag sind stark durch Evidenz belegt. Das metabole "Hitzegedächtnis" (PMID 42019490) ist jüngeren Datums und noch vorläufig. Der Schutz von Bauchspeicheldrüsen-Betazellen ist bislang nur in Labor- und Tierversuchen nachgewiesen.