Helfen DHEA oder Wachstumshormon gegen das Altern, oder sind sie gefährlich?
DHEA hat bescheidene, belegte Vorteile bei Menschen mit einer Nebennierenerkrankung, doch bei gesunden Menschen sind die Effekte inkonsistent und die Langzeitsicherheit unsicher. Kauf es nicht einfach als Anti-Aging-Nahrungsergänzungsmittel, sondern sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn du vermutest, dass deine Hormonspiegel zu niedrig sind.
DHEA ist das am häufigsten vorkommende Steroidhormon im Blut. Es steigt in der Pubertät an und sinkt danach stetig: Mit sechzig hat man nur noch einen Bruchteil des Spiegels vom zwanzigsten Lebensjahr. Das klingt nach einem naheliegenden Grund zum Supplementieren, aber die Übertragung in eine echte Anti-Aging-Wirkung ist deutlich komplizierter, als die Werbung glauben lässt.
Was tatsächlich belegt scheint: Bei älteren Menschen zeigen doppelblinde, placebokontrollierte Studien bescheidene Vorteile einer DHEA-Supplementierung. Dazu gehören leichte Verbesserungen der Knochendichte, ein kleiner Anstieg der Muskelkraft, etwas weniger Körperfett und eine geringfügige Verbesserung des Wohlbefindens. Der Fokus liegt auf 'bescheiden'. Von spektakulärer Verjüngung ist keine Spur. Das Bild ist zudem inkonsistent: Große randomisierte klinische Studien fehlen bislang, und das Image als 'Superhormon' basiert größtenteils auf Tierversuchen.
Bei Menschen mit einer Nebennierenerkrankung wie dem Morbus Addison ist die Evidenz deutlich belastbarer. Frauen mit eingeschränkter Nebennierenfunktion berichten bei einer DHEA-Supplementierung von besserer Stimmung, höherer Lebensqualität und leicht verbesserter sexueller Funktion. Das gilt ausdrücklich nicht für gesunde Frauen ohne Hormonmangel: Bei ihnen sind keinerlei konsistente Vorteile für Wechseljahrsbeschwerden, Gedächtnis oder Wohlbefinden nachgewiesen worden. Eine Ausnahme gibt es: Vaginale Trockenheit nach der Menopause spricht auf eine lokale, vaginale Anwendung von DHEA positiv an.
Nun zum Sicherheitsaspekt. Hohe oder dauerhaft eingenommene Dosen DHEA können androgene Nebenwirkungen wie Akne und unerwünschten Haarwuchs, aber auch östrogene Nebenwirkungen verursachen. Das Langzeitrisikoprofil ist unzureichend erforscht. Kommerzielle Anbieter, die Hormone ohne medizinische Indikation verkaufen, werden in mehreren Reviews ausdrücklich kritisiert.
Über Wachstumshormon als Anti-Aging-Mittel enthalten die vorliegenden Studien kaum konkrete Aussagen, abgesehen von der allgemeinen Warnung, dass das Ausgleichen eines altersbedingten Hormonabfalls durch Supplementierung weder automatisch sicher noch wirksam ist. DHEA ist in diesem Zusammenhang noch das am besten untersuchte Hormon, und selbst dafür gilt: Die Evidenz ist bescheiden und auf spezifische Gruppen begrenzt.
Basierend auf mehreren placebokontrollierten Studien und Reviews (PMID 25022952, 41485982, 35254428, 28264815, 12044959, 10656527, 12573813). Zu Wachstumshormon als Anti-Aging-Intervention enthalten die zugrunde liegenden Quellen keine spezifischen Studiendaten; es wird lediglich im breiteren Kontext hormoneller Veränderungen erwähnt.