Hilft Bewegung bei Parkinson?
Bewegung hilft bei Parkinson nachweislich: Motorische Beschwerden nehmen ab und die Lebensqualität verbessert sich. Tanzen und Bewegung im Wasser haben die stärkste Evidenz, ersteres für die Motorik, letzteres für die Lebensqualität. Flexibilitätstraining zeigt kaum Wirkung. Besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, welche Form am besten zu deiner Situation passt.
Tanzen zeigt von allen untersuchten Bewegungsformen den stärksten Effekt auf motorische Beschwerden: im Schnitt rund zehn Punkte auf der Standard-Motorikskala für Parkinson (UPDRS-M), deutlich über der Schwelle, ab der eine Verbesserung klinisch spürbar ist. Diese Evidenzlage wird als moderat bis hoch eingestuft.
Bewegung im Wasser schneidet bei der Lebensqualität am besten ab: durchschnittlich fünfzehn Punkte Verbesserung auf der PDQ-39-Skala, bei der schon ab fünf Punkten ein Unterschied messbar ist. Ausdauertraining wie Radfahren oder zügiges Gehen bringt auf derselben Skala im Schnitt neun Punkte. Hochintensives Ausdauertraining, zwei- bis dreimal pro Woche dreißig bis vierzig Minuten bei 60 bis 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz, wirkt bei motorischen Beschwerden besonders gut, unter anderem weil es die Anpassungsfähigkeit des Gehirns fördert.
Fast alle Bewegungsformen helfen bei Parkinson, aber nicht alle. Flexibilitätstraining ist die Ausnahme: Es zeigt im Schnitt keine klinisch relevante Verbesserung der motorischen Beschwerden. Kombinations- und Krafttraining wirken am breitesten, auch auf Symptome jenseits der Motorik wie Schlaf, Stimmung und Denkleistung.
Ob Bewegung die Erkrankung tatsächlich verlangsamt statt nur die Beschwerden zu lindern, ist beim Menschen bislang nicht direkt belegt. Hinweise kommen vor allem aus Tierversuchen und indirekten Humandaten. Auch für Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung oder kognitiven Einschränkungen sind die Daten dünn, sodass unklar ist, ob Bewegung für sie gleich gut wirkt.
Die meisten Studien beschreiben die untersuchten Interventionen als vergleichsweise sicher; Stürze und Schmerzen wurden am häufigsten als Zwischenfälle genannt. Da weniger als die Hälfte der Studien unerwünschte Ereignisse systematisch erfasst hat, lässt sich das tatsächliche Risiko schwer abschätzen. Sprich mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt darüber, welche Bewegungsform am besten zu dir passt, besonders wenn du häufig stürzt oder bereits ausgeprägte Beschwerden hast.
Die Evidenzlage stützt sich auf eine große Zahl randomisierter Studien, in denen Teilnehmende per Zufallszuweisung entweder einer Bewegungs- oder einer Kontrollgruppe zugeteilt wurden, insgesamt mit knapp 8.000 Parkinson-Betroffenen. Mehrere systematische Übersichtsarbeiten werteten jeweils 154 bis 156 solcher Studien aus. Die Evidenz für Tanzen und Wassergymnastik bei den primären Endpunkten wird als moderat bis hoch eingestuft, die für Ausdauertraining als gering. Zur Sicherheit sind die Daten lückenhaft: Weniger als die Hälfte der Studien berichtete überhaupt über unerwünschte Ereignisse. Da die meisten Teilnehmenden leichte bis mittelschwere Parkinson-Symptome ohne kognitive Beeinträchtigungen hatten, sind die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung übertragbar.