Hilft Fasten deinen Zellen dabei, sich selbst zu reinigen?
Fasten steigert die zelluläre Selbstreinigung nachweislich, aber bei längerem Fasten droht Muskelabbau. Kombiniere Fastenphasen mit ausreichend Proteinzufuhr und Bewegung, um die Balance zu halten.
Fasten ist der wirkungsvollste nicht-genetische Weg, um Autophagie zu aktivieren – den zellulären Selbstreinigungsprozess, bei dem beschädigte Bestandteile abgebaut und recycelt werden. Das gilt für ein breites Spektrum an Geweben und Organen und wurde sowohl in Tierstudien als auch beim Menschen nachgewiesen.
Ein zentraler Baustein dieses Mechanismus ist Spermidin, ein körpereigener Stoff. Beim Fasten steigen die Spermidinspiegel in mehreren Organismengruppen an, einschließlich des Menschen. Wird die Spermidinsynthese blockiert, verschwindet der reinigende Effekt des Fastens weitgehend. Spermidin scheint damit ein unverzichtbares Bindeglied zu sein.
Fasten regt außerdem den Abbau beschädigter Mitochondrien in der Muskulatur an. Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zelle. Derselbe Abbauweg hängt jedoch mit Muskelabbau zusammen. Wer regelmäßig fastet und seine Muskelmasse erhalten möchte, sollte das im Blick behalten, zum Beispiel durch ausreichend Proteinzufuhr und Krafttraining.
Ein frühes Essensfenster, bei dem du bereits um 14:00 Uhr mit dem Essen aufhörst, erhöhte in einer kleinen Studie mit 11 Personen die Aktivität eines Autophagie-Gens. Dazu gibt es bisher nur diese eine sehr kleine Untersuchung, sodass sich daraus noch keine belastbaren Schlüsse ziehen lassen.
Fasten hat einen klar nachweisbaren Effekt auf die zelluläre Reinigung. Größere randomisierte klinische Studien am Menschen werden das genaue Ausmaß und die Langzeiteffekte noch weiter eingrenzen. Das Risiko eines Muskelabbaus bei längerem oder intensivem Fasten ist eine konkrete Kehrseite, die man nicht unterschätzen sollte.
Aussagen basieren auf PMID 30172870, 27810402, 39117797, 31151228, 38018843 und 30925707. Die Evidenz für die Autophagie-Aktivierung durch Fasten ist insgesamt stark; die Rolle von Spermidin als Zwischenschritt ist mäßig belegt; die Essensfenster-Studie am Menschen ist bisher begrenzt (n=11).