Kann Fasten deine Zellen wirklich verjüngen?
Fasten zeigt im Tierversuch klare zellverjüngende Effekte, doch beim Menschen beschränkt sich die Evidenz bislang auf kleine Studien mit Biomarkern. Die vielversprechendsten Befunde sind in großen Humanstudien noch nicht bestätigt, weshalb Zurückhaltung angebracht ist.
In Mausstudien sind die Effekte von Fasten auf die Zellverjüngung beeindruckend. Nach vier Tagen eines fastenimitierenden Diäts, gefolgt von normaler Ernährung, beobachteten Forschende mehr Stamm- und Vorläuferzellen in mehreren Organen, weniger Körperfett, ein geringeres Krebsrisiko und sogar die Bildung neuer Nervenzellen bei älteren Tieren. Zweimonatliche Fastenzyklen verlängerten außerdem die Lebensspanne von Mäusen. Diese Befunde sind im Tierversuch konsistent und mehrfach reproduziert worden.
Besonders ausgeprägt ist die Wirkung auf das Nervensystem. Bei gealterten Mäusen reaktivierten Fastenperioden Stammzellen, die Myelin produzieren, also die schützende Isolierschicht um Nervenfasern. Diese Zellen hatten altersbedingt ihre Reaktionsfähigkeit verloren und gewannen sie nach dem Fasten zurück. Das Medikament Metformin zeigte einen vergleichbaren Effekt. Für Erkrankungen wie MS ist das ein interessanter Befund.
In Fett- und Immungewebe sehr alter Mäuse reduzierte intermittierendes Fasten die Zahl erschöpfter Stammzellen, stellte deren Funktion teilweise wieder her und verbesserte das immunologische Gleichgewicht in diesem Gewebe.
Beim Menschen sieht die Datenlage deutlich schmaler aus. Bislang gibt es nur Mäusedaten und kleinere Laborstudien für die meisten Mechanismen. Eine kleine Pilotstudie mit drei Zyklen eines fastenimitierenden Diäts zeigte Verbesserungen bei mehreren Risikobiomarkern für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Das war jedoch eine erste Erkundungsstudie, kein Beleg dafür, dass Fasten Menschen tatsächlich verjüngt. Zeitlich begrenztes Essen, also die Nahrungsaufnahme auf ein bestimmtes Fenster am Tag zu beschränken, hätte theoretisch günstige Effekte auf die Kraftwerke der Zellen in Blutgefäßwänden. Belegte kognitive oder klinische Vorteile beim Menschen fehlen aber.
Ob Fasten beim Menschen auch gealterte Zellen aktiv abbaut oder die epigenetische Alterungsuhr zurückstellt, ist noch zu wenig erforscht. Die Idee ist biologisch plausibel und wird durch Labor- und Tierstudien gestützt, doch belastbare Humanstudien stehen noch aus.
Die Evidenz stützt sich auf mehrere Mausstudien (mäßig bis begrenzt), eine kleine humane Pilotstudie sowie verschiedene Review- und Mechanismusartikel. Große randomisierte Studien am Menschen liegen nicht vor.