Hilft grüner Tee gegen Infektionen?
Grüntee-Catechine senken wahrscheinlich das Gripperisiko um etwa ein Drittel. Für andere Infektionen ist die Evidenz beim Menschen noch zu begrenzt, um belastbare Aussagen zu treffen.
Am stärksten ist die Evidenz bei Grippe. Eine Metaanalyse aus acht Studien mit über dreitausend Teilnehmern zeigt, dass Grüntee-Catechine das Gripperisiko in randomisierten Studien um rund 33 % senken, in Beobachtungsstudien sogar um etwa 48 %. Sowohl Gurgeln als auch Trinken oder die Einnahme von Kapseln schienen zu wirken, was den Effekt glaubwürdiger macht.
Gegen Bakterien wirkt grüner Tee im Labor beeindruckend: Catechine stören die Bakterienzelle, hemmen Enzyme und entziehen Bakterien das Eisen, das sie zum Überleben brauchen. Die stärkste Wirkung zeigen bestimmte Catechine, von denen EGCG das bekannteste ist. Das sind jedoch Zell- und Tierversuche. Ob du davon bei einer echten Infektion im Körper wirklich etwas merkst, ist bislang nicht belegt.
Bei HPV-assoziierten Erkrankungen, etwa bestimmten Gebärmutterhalsläsionen und Genitalwarzen, zeigen randomisierte Studien durchaus einen klinischen Effekt von Grüntee-Catechinen. Das ist unabhängig von den Grippeergebnissen und gilt spezifisch für diese Erkrankungen; über andere virale Infektionen wie Erkältungen lässt sich daraus noch nichts ableiten.
Insgesamt gilt: Grüner Tee zeigt in mehreren Studienarten Hinweise auf antimikrobielle Eigenschaften, doch die stärkste Datenbasis besteht nur für die Grippeprävention. Für die meisten anderen Infektionen ist die Evidenz beim Menschen dünn oder fehlt ganz.
Aussagen basieren auf PMID 34209247 (Grippe, Metaanalyse), PMID 33094767 (antibakteriell, Labor), PMID 21595018 (antiviral/HPV, RCTs), PMID 10956382 (breiter antimikrobieller Überblick).