Hilft langsames Kauen wirklich bei der Verdauung?
Es gibt keinen direkten Beleg dafür, dass langsames Kauen die Verdauung gesunder Menschen verbessert. Der Zusammenhang zwischen schlechtem Kauen und Fettleber ist interessant, aber noch zu schwach, um daraus konkrete Empfehlungen abzuleiten.
Keine einzige verfügbare Studie untersucht direkt, ob gesunde Menschen besser verdauen, wenn sie langsamer kauen. Die vorhandene Forschung dreht sich um Kaueffizienz bei zähen Lebensmitteln, Kauprobleme bei Schlafapnoe und den Zusammenhang zwischen Kaustatus und Fettleber. Ein klinischer Test nach dem Motto 'langsamer kauen, besser verdauen' existiert schlicht nicht.
Auffällig ist allerdings ein Befund aus einer japanischen Studie mit 450 Teilnehmenden: Wer schlecht kaute, hatte ein fast neunfach höheres Risiko für eine Fettleber als gute Kauer – selbst wenn man Körpergewicht und Blutzuckerspiegel herausrechnete. Das ist ein starker Zusammenhang, aber es handelt sich um eine Querschnittstudie. Ob schlechtes Kauen die Fettleber verursacht oder ob eine gemeinsame Ursache dahintersteckt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Wie lange und wie oft du kaust, hängt vor allem vom Essen selbst ab: Hartes oder klebriges Essen erzwingt automatisch mehr Kaubewegungen. Die Kaugeschwindigkeit dagegen scheint eher eine persönliche Eigenheit zu sein, die sich nicht einfach durch andere Lebensmittelwahl ändert. Bewusst langsamer zu kauen ist also eine aktive Entscheidung, die du selbst treffen musst.
Kauprobleme wurden auch bei Menschen mit Schlafapnoe oder starkem Schnarchen beobachtet, etwa einseitiges Kauen oder zu schnelles Kauen. Diese Untersuchung basiert jedoch auf gerade einmal fünfzehn Personen und sagt über gesunde Menschen, die ihre Verdauung verbessern wollen, herzlich wenig aus.
Alle Aussagen stützen sich auf Beobachtungsstudien und kleine Stichproben. Es gibt keine randomisierten kontrollierten Studien, die langsames Kauen bei gesunden Menschen hinsichtlich Verdauungsresultaten direkt mit normalem Kauen vergleichen.