Hilft Apfelessig trinken der Verdauung?
Es gibt keine einzige Studie, die belegt, dass Apfelessig die Verdauung verbessert. Wer ihn zur Blutzuckerkontrolle bei Diabetes einsetzen möchte, sollte das mit einem Arzt besprechen – denn auch dafür fehlt für gesunde Menschen eine solide Evidenzbasis.
Keine einzige Studie hat direkt untersucht, ob Apfelessig die Verdauung verbessert. Das verbreitete Gefühl, dass er hilft, hat damit keine wissenschaftliche Grundlage. Es gibt schlicht keine Belege dafür, dass Apfelessig den Darm besser arbeiten lässt, den Magen beruhigt oder die Nahrungsverwertung steigert.
Erforscht wurden dagegen die Auswirkungen auf den Blutzucker. Eine Auswertung von neun randomisierten Studien zeigt, dass Apfelessig den Nüchternblutzucker im Schnitt um knapp 8 mg/dL senkt und den HbA1c-Wert um 0,5 Einheiten. Der HbA1c spiegelt wider, wie gut der Blutzucker über mehrere Wochen reguliert war. Am deutlichsten zeigte sich dieser Effekt bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und bei einer Einnahmedauer von mehr als acht Wochen. Bei gesunden Menschen schien der Blutzucker dagegen leicht anzusteigen. Das Gesamtcholesterin sank geringfügig, während weder das LDL-Cholesterin noch der Insulinspiegel beeinflusst wurden.
Laborversuche deuten darauf hin, dass die Fermentation von Äpfeln die Aufnahme bestimmter Pflanzenstoffe verbessern könnte. Dazu gibt es bisher nur Labordaten, und über einen konkreten Verdauungsnutzen sagen diese ohnehin nichts aus.
Ein Sicherheitsaspekt verdient besondere Aufmerksamkeit. Apfelessig-Tabletten sind wenig verlässlich: Eine Untersuchung von acht Marken stellte erhebliche Unterschiede beim Säuregehalt und bei der Kennzeichnung fest, und in einigen Fällen war nicht einmal klar, ob die Tabletten überhaupt echten Apfelessig enthielten. Zudem gibt es einen dokumentierten Fall von Speiseröhrenschäden nach dem Schlucken solcher Tabletten. Die Gesundheitsversprechen auf den Verpackungen waren durchweg unbelegt. Flüssiger Apfelessig ist stark sauer und kann bei regelmäßigem Konsum den Zahnschmelz angreifen. Ihn in Wasser zu verdünnen ist deshalb ratsam.
Basierend auf zwei Primärquellen (PMID 15983536, 38251987, 34187442). Die Frage zur Verdauung bleibt in der Literatur ausdrücklich unbeantwortet. Die Blutzuckerbefunde stammen aus einer Metaanalyse mit hoher Heterogenität (I² hoch), was die Verlässlichkeit der Ergebnisse einschränkt.