Ist Ashwagandha sicher für deine Leber?
Ashwagandha kann Leberschäden verursachen, auch bei Menschen ohne bekannte Lebererkrankung, und Aufsichtsbehörden sehen weitere Risiken. Das RIVM rät davon ab, Dänemark hat es verboten, und ein EU-Verfahren läuft. Hast du eine Lebererkrankung, meide es; nimmst du es dennoch, achte auf Gelbsucht oder ungewöhnliche Müdigkeit und hör sofort auf, wenn diese auftreten.
Ashwagandha kann die Leber schädigen. Das ist keine Einzelanekdote, sondern ein Muster, das in mehreren unabhängigen Fallserien und Übersichtsarbeiten immer wieder auftaucht. Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel verursachen inzwischen rund 20 % aller supplement- oder arzneibedingten Leberschäden, die im amerikanischen DILIN-Register (einem Meldesystem für solche Schäden) erfasst werden. Ashwagandha zählt dort zu den am häufigsten genannten Auslösern.
Das typische Bild ist eine sogenannte cholestatische Hepatitis: Der Galleabfluss wird blockiert, was zu Gelbsucht und Juckreiz führt. In einer europäischen und amerikanischen Fallserie mit fünf Patienten trat dies nach zwei bis zwölf Wochen Einnahme auf. Bei allen fünf erholte sich die Leber nach dem Absetzen von selbst, innerhalb von ein bis fünf Monaten. Schwerwiegender war die Lage in einer indischen Fallserie mit acht Patienten: Drei von fünf Personen mit einer bereits bestehenden Lebererkrankung überlebten nicht.
Bei gesunden Menschen ohne Lebererkrankung fand eine randomisierte Studie über acht Wochen keine messbaren Auffälligkeiten in den Leberwerten. Diese Studie umfasste jedoch nur 80 Teilnehmer, und die Forschenden betonten selbst, dass längere Einnahme und höhere Dosierungen nicht untersucht wurden.
Die Bedenken beschränken sich nicht auf die Leber, und Aufsichtsbehörden schlagen inzwischen Alarm. Dänemark verbot Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln 2023, weil keine sichere Aufnahmemenge festgelegt werden konnte. Auch Effekte auf Schilddrüse und Geschlechtshormone spielten dabei eine Rolle. Das niederländische RIVM riet 2024 davon ab, insbesondere in der Schwangerschaft. Frankreich und Schweden verhängen Einschränkungen, und auf EU-Ebene läuft ein Prüfverfahren, das zu einem Verbot oder einer Beschränkung führen kann. Ashwagandha ist damit kein Nahrungsergänzungsmittel mit einem vernachlässigbaren Leberrisiko, sondern ein Pflanzenstoff, an den mehrere europäische Behörden Warnungen oder Verbote knüpfen.
Leberschäden durch Ashwagandha sind nicht selten genug, um sie zu ignorieren, und die weitergehenden Sicherheitsbedenken verstärken dieses Bild. Hast du eine bereits bestehende Lebererkrankung, nimm kein Ashwagandha. Bemerkst du während der Einnahme Beschwerden wie Gelbsucht, dunklen Urin oder ungewöhnliche Müdigkeit, hör sofort auf und sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Basierend auf mehreren Fallserien (Indien, Island, USA), zwei Übersichtsarbeiten, einer Erfassungsdatenbank (DILIN), einer Bevölkerungsschätzung und einer kleinen RCT an gesunden Personen. Rechtlicher Kontext: das dänische Verbot (2023), die RIVM-Warnung (2024) und das laufende EU-Artikel-8-Verfahren. Große randomisierte Sicherheitsstudien liegen nicht vor.