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Ist ein überaktives Immunsystem auch gefährlich?

Ja, ein überaktives Immunsystem kann ernsthaften Schaden anrichten, von chronischen Autoimmunerkrankungen bis hin zu lebensbedrohlichen Zytokinstürmen. Wer anhaltende Beschwerden hat, die auf eine solche Fehlregulation hindeuten, sollte das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.

Ein überaktives Immunsystem kann auf mehrere Arten gefährlich werden. Die unmittelbarste Bedrohung ist ein sogenannter Zytokinsturm: Das Immunsystem schüttet so viele Botenstoffe auf einmal aus, dass diese selbst Gewebe und Organe schädigen. Dabei verstärken sich Entzündung und Zelltod gegenseitig, was rasch lebensbedrohlich werden kann.

Bei Autoimmunerkrankungen verläuft das langsamer, aber nicht weniger ernst. Das Immunsystem greift dann den eigenen Körper an, wobei genetische Veranlagung und Umweltfaktoren gemeinsam eine Rolle spielen. Dass selbst bei eineiigen Zwillingen nur 12 bis 67 Prozent der Paare dieselbe Autoimmunerkrankung entwickeln, zeigt: Gene allein sind nicht ausschlaggebend. Der Entzündungsbotenstoff IL-6 ist bei vielen dieser Erkrankungen zentral. Wird er nicht gebremst, schwelt die Entzündung weiter oder eskaliert. Das Medikament Tocilizumab, das IL-6 blockiert, wird deshalb heute wirksam bei rheumatoider Arthritis eingesetzt.

Eine besonders gefährliche Verlaufsform ist das Makrophagenaktivierungssyndrom, eine seltene, aber lebensbedrohliche Eskalation, die bei Lupus, rheumatoider Arthritis oder dem Morbus Still auftreten kann. Typische Merkmale sind hohes Fieber, eine vergrößerte Leber und Milz, Blutarmut sowie neurologische Veränderungen. Auch das Komplementsystem, eine Gruppe von mehr als fünfzig Proteinen, die normalerweise Infektionen bekämpfen, kann bei Überaktivierung Blutgefäßwände schädigen. Hemmstoffe dieses Systems helfen, erhöhen aber zugleich das Risiko für eine seltene, mitunter tödliche bakterielle Infektion.

Das Immunsystem kann sich auch gegen das Nervensystem richten und automatische Körperfunktionen wie Herzschlag, Blutdruck und Verdauung stören. Eine früh einsetzende Immuntherapie begrenzt den Schaden. Bei Sarkoidose bleiben Immunzellen in einer Aktivierungsschleife gefangen, die sich nicht abschaltet, was zu Entzündungsknötchen und schließlich zu Narbengewebe in Organen führt. Bei Neurodermitis beschädigt ein überaktiver Zweig des Immunsystems die Hautbarriere und löst chronischen Juckreiz aus, wobei auch genetische Faktoren und Hautbakterien eine Rolle spielen.

Die Belege
8 Studien

Diese Antwort stützt sich auf mehrere breite Übersichtsarbeiten, unter anderem zu Autoimmunität, Zytokinstürmen, dem Komplementsystem, Sarkoidose und Neurodermitis. Für die lebensbedrohlichen Folgen eines Zytokinsturms und einer Komplementüberaktivierung ist die Evidenzlage stark und ein ursächlicher Zusammenhang klar belegt. Für Sarkoidose und Neurodermitis gilt die Kausalität als wahrscheinlich, ist aber noch nicht abschließend bewiesen. Keine der zugrunde liegenden Quellen ist eine randomisierte Studie oder eine Metaanalyse mit gepoolten Analysen; die Aussagesicherheit ist dennoch hoch, weil die beschriebenen Mechanismen klinisch breit bestätigt sind, auch wenn die Übersichtsarbeiten in ihrer Qualität variieren.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026 · wie das beurteilt wurde
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