Wie altert dein Immunsystem, und was bedeutet das für deine gesunde Lebensspanne?
Dein Immunsystem altert messbar: Es reagiert schwächer auf neue Bedrohungen und unterhält eine schwelende Entzündung, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Krebs zusammenhängt. Ein aktiver Lebensstil ist der am besten belegte Weg, diesen Prozess zu verlangsamen.
Das Immunsystem verliert im Laufe der Jahre auf zwei Ebenen gleichzeitig: Schlagkraft und Ruhe. Die Schlagkraft schwindet, weil die Zahl frischer, noch ungenutzter Immunzellen sinkt. Genau diese Zellen braucht der Körper, um neue Bedrohungen zu erkennen und zu bekämpfen, etwa ein unbekanntes Virus oder einen neuen Impfstoff. Gleichzeitig häufen sich gealterte Immunzellen an, die ihre Aufgabe kaum noch erfüllen, aber trotzdem im Körper bleiben und Botenstoffe ausschütten, die eine dauerhafte, schwache Entzündung unterhalten.
Diese schwelende Entzündung heißt Inflammaging und ist wahrscheinlich die gefährlichste Seite der Immunalterung. Menschen mit höheren Entzündungsmarkern im Blut haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Krebs. Gealterte Immunzellen halten die Entzündung über einen sich selbst verstärkenden Kreislauf am Laufen: je mehr solcher Zellen, desto mehr Entzündungsbotenstoffe, desto mehr Schaden.
Eine direkt spürbare Folge ist, dass Impfungen bei älteren Menschen schlechter anschlagen. Das gehört zu den am besten dokumentierten Auswirkungen der Immunalterung und erklärt, warum Grippe oder Pneumokokken ältere Menschen so hart treffen können, selbst wenn sie geimpft sind. Dasselbe Muster zeigte sich bei schweren COVID-19-Verläufen in höherem Alter.
Nicht jede altersbedingte Veränderung des Immunsystems ist schädlich. Bei Menschen, die hundert Jahre alt werden, beobachten Forschende, dass sich das Immunsystem auf eine eigene Art umgebaut hat, und zwar auf eine Weise, die mit einem langen und vergleichsweise gesunden Leben zusammenhängt.
Ernährung und Bewegung scheinen die schwelende Entzündung dämpfen zu können. Forschende sehen einen lebenslang gesunden Lebensstil als den vielversprechendsten und sichersten Ansatz. Auch Veränderungen im Darmmikrobiom spielen bei der Immunalterung eine Rolle: eine geringere Vielfalt der Darmflora im Alter hängt mit stärkerer Entzündung zusammen, wobei bisher nur Beobachtungsdaten vorliegen, die keine Aussage darüber erlauben, ob das Mikrobiom die Ursache ist oder eine Folge.
Diese Antwort stützt sich auf acht Übersichtsstudien, darunter zwei systematische Reviews. Diese breiten Literaturübersichten sind aufschlussreich, doch die Autorenteams selbst benennen eine erhebliche Einschränkung: Die Studien zu spezifischen Immunmarkern, etwa Veränderungen bei T-Zellen, unterschieden sich so stark in Messmethoden und Berichterstattung, und das Verzerrungsrisiko war so hoch, dass beide systematischen Reviews keine verlässlichen Gesamtzahlen berechnen konnten. Konkret war eine zahlenmäßige Zusammenfassung von Zellmarkern, Entzündungsbotenstoffen und Telomerlänge wegen inkonsistenter Protokolle und lückenhafter Messberichte nicht möglich. Die übergeordneten Muster, steigende Entzündungsaktivität und nachlassende Impfantwort, sind konsistent und gut belegt; welche spezifischen Zellmerkmale den zuverlässigsten Prädiktor darstellen, ist dagegen deutlich weniger gesichert.