Verrät meine Gehgeschwindigkeit, wie schnell ich altern?
Ja, deine Gehgeschwindigkeit sagt etwas darüber aus, wie dein Körper altert. Wer langsamer als 0,8 bis 1,0 Meter pro Sekunde geht, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für Gebrechlichkeit, Muskelschwund, Stürze und frühzeitigen Tod, und sollte das als Anlass nehmen, gezielt gegenzusteuern.
Ja, deine Gehgeschwindigkeit gibt tatsächlich Aufschluss darüber, wie schnell dein Körper altert. Eine systematische Übersichtsarbeit mit 27 Studien an selbstständig lebenden älteren Menschen zeigt, dass dein normales Gehtempo zu den verlässlichsten Vorhersagewerten für frühzeitigen Tod, Pflegebedürftigkeit, kognitiven Abbau, Stürze und Heimeinweisung gehört. Bemerkenswert: Diese schlichte Messung schnitt mindestens genauso gut ab wie aufwändige Beurteilungsverfahren, die weit mehr Zeit kosten1.
Der Schwellenwert, den Forschende am häufigsten nennen, liegt bei 0,8 Metern pro Sekunde, also rund 2,9 km/h. Wer langsamer geht, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für Stürze und Sarkopenie, den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft. Sturzpräventions-Leitlinien empfehlen daher, alle Personen über 65, die unter 0,8 bis 1,0 m/s gehen, aktiv für präventive Maßnahmen weiterzuverweisen2,3.
Eine niedrige Gehgeschwindigkeit gilt außerdem als eines von fünf Merkmalen körperlicher Gebrechlichkeit, dem sogenannten Frailty-Syndrom. Ältere Menschen, die mindestens drei dieser Merkmale erfüllten, hatten innerhalb von drei Jahren ein 29 bis 124 Prozent höheres Risiko für Stürze, zunehmende Funktionseinschränkungen, Krankenhausaufenthalte oder Tod im Vergleich zu nicht gebrechlichen Gleichaltrigen4.
Dass die Gehgeschwindigkeit so viel aussagt, liegt daran, dass sie weit mehr erfasst als nur die Leistungsfähigkeit der Beine. Sie hängt eng zusammen mit der Belastung durch chronische Erkrankungen, Entzündungsmarkern im Blut und oxidativem Stress, also genau jenen Prozessen, die im Zentrum des Alterns stehen. Dein Gehtempo spiegelt damit wider, wie gut deine Organsysteme im Zusammenspiel funktionieren5.
All diese Zusammenhänge sind assoziativ: Eine niedrige Gehgeschwindigkeit verursacht die genannten Probleme nicht selbst, sondern zeigt sie an. Merkst du, dass du langsamer geworden bist, oder gehst du dauerhaft unter 0,8 bis 1,0 m/s, ist das ein konkretes Signal, gemeinsam mit einem Arzt oder Physiotherapeuten nach den Ursachen zu suchen und gezielte Maßnahmen für Muskelkraft, Balance und Sturzprävention anzugehen.
Basierend auf einer systematischen Übersichtsarbeit mit 27 Studien (PMID 19924348), einer großen Kohortenstudie zum Frailty-Syndrom (PMID 11253156), Leitlinien und Konsensusdokumenten zu Sturzprävention und Sarkopenie (PMID 38536167, PMID 22836700) sowie einer Übersichtsstudie zur Gehgeschwindigkeit als Gesundheitsmarker (PMID 33575703). Alle Zusammenhänge sind assoziativ; randomisierte Studien, die belegen, dass eine höhere Gehgeschwindigkeit die genannten Endpunkte kausal verbessert, liegen nicht vor.