Können Peptide bei älteren Menschen zum Muskelaufbau oder zur Muskelregeneration beitragen?
Peptide, vor allem in Kombination mit Krafttraining, können bei älteren Menschen messbar zur Muskelmasse und Muskelkraft beitragen. Die stärkste Evidenz liegt für Kollagenpeptide und pflanzliche Proteine vor; kombiniere sie am besten mit regelmäßiger Bewegung, um den größten Effekt zu erzielen.
Kollagenpeptide (15 g pro Tag) zusätzlich zum Krafttraining führten bei sarkopenen Männern mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren nach 12 Wochen zu deutlich mehr Muskelmasse (+4,2 kg gegenüber +2,9 kg in der Placebogruppe) und Muskelkraft (+16,5 gegenüber +7,3 Nm). Dieses Ergebnis stammt aus einem randomisierten doppelblinden Trial mit 53 Teilnehmern. Die Kombination aus Peptiden und Bewegung ist hier entscheidend: Krafttraining ohne Peptide half zwar auch, aber merklich weniger.
Pflanzliches Protein und Peptidsupplementierung zeigte auch ohne verpflichtetes Trainingsprogramm eine Wirkung. In einem randomisierten Trial mit 124 älteren Erwachsenen mit Sarkopenie und Kniearthrose stieg der Muskelmasse-Index um 0,66 kg/m², die Handgreifkraft um 2,83 kg, und die körperliche Funktionsfähigkeit verbesserte sich messbar nach 12 Wochen. Das ist besonders relevant für Menschen, die intensives Training nur schwer umsetzen können.
Ältere Muskeln reagieren weniger empfindlich auf Protein und Peptide als junge Muskeln. Dieses Phänomen wird als anabole Resistenz bezeichnet: Die Schwelle für eine aufbauende Reaktion liegt höher. Höhere Dosierungen und die Kombination mit körperlicher Aktivität scheinen das teilweise auszugleichen, auch wenn die genaue Schwellendosis bei älteren Menschen noch nicht gut erforscht ist. Protein kurz vor dem Schlafen erhöhte die Neubildung von Muskelbindegewebsproteinen übrigens nur dann signifikant, wenn am selben Abend auch trainiert wurde; Protein ohne Training hatte keinen messbaren Zusatzeffekt.
Nicht alle Peptide sind gleich gut belegt. Für Eiprotein und Eipeptide zeigt eine systematische Übersichtsarbeit mit 30 randomisierten Studien keinen Vorteil bei gesunden Erwachsenen, obwohl sie bei Nierenpatienten mit niedrigem Albumin wirksam sind. Ein Ackerbohnensupplement verbesserte die Regeneration nach Belastung in einem kleinen Trial, doch diese Studie wurde vom Hersteller finanziert und nicht an älteren Menschen durchgeführt, weshalb das Ergebnis als vorläufig gilt. Molkenprotein besitzt antioxidative Eigenschaften und Sojaprotein wirkt möglicherweise entzündungshemmend, doch ihr direkter Muskeleffekt bei älteren Menschen mit chronischer Niedriggradiger Entzündung ist bislang unzureichend untersucht.
Evidenz auf Basis von vier randomisierten Trials, einer systematischen Übersichtsarbeit/Metaanalyse mit 30 RCTs sowie drei Übersichtsartikeln. Die randomisierten Trials unterscheiden sich in der Studienpopulation (sarkopenisch/nicht-sarkopenisch, verschiedene Altersgruppen). Bei einem Trial besteht ein Interessenkonflikt (Herstellerfinanzierung). Keine große unabhängige Metaanalyse speziell zu Kollagen- oder Pflanzenpeptiden bei älteren Menschen in den vorliegenden Quellen verfügbar.