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Musst du deine Eiweißzufuhr einschränken, um deine Nieren zu schützen?

Moderate Evidenz

Bei gesunden Nieren musst du deine Eiweißzufuhr nicht einschränken. Bei chronischer Nierenerkrankung solltest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und einer Ernährungsfachkraft besprechen, ob eine Eiweißreduktion (0,6–0,8 g/kg/Tag) sinnvoll ist – ohne fachliche Begleitung droht Mangelernährung.

Gesunde Nieren brauchen keine Eiweißreduktion. Ein Review fand keinen Zusammenhang zwischen Eiweißzufuhr und nachlassender Nierenfunktion bei Menschen mit normal arbeitenden Nieren. Wer weniger als 0,6 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht täglich zu sich nimmt, hat laut einer großen Untersuchung (NHANES) sogar ein höheres Sterberisiko – selbst bei gesunden Nieren. Eine vorsorglich niedrige Eiweißzufuhr ist bei Gesunden also nicht sinnvoll und kann sich nachteilig auswirken.

Bei chronischer Nierenerkrankung sieht es anders aus. Viel Eiweiß erhöht den Druck in den winzigen Filtereinheiten der Niere. Sind diese bereits geschädigt, kann das den Funktionsverlust beschleunigen. Mehrere Reviews zeigen, dass eine Eiweißreduktion auf 0,6 bis 0,8 Gramm pro Kilogramm täglich das Fortschreiten der Nierenerkrankung verlangsamt und den Beginn einer Dialyse hinauszögert. Die bislang größte Studie auf diesem Gebiet, die MDRD-Studie, lieferte allerdings kein eindeutiges Ergebnis.

Bei Menschen, deren Nieren nur noch unter 60 % ihrer normalen Filterleistung erbringen (eGFR unter 60), war eine Eiweißzufuhr von 1,4 Gramm pro Kilogramm oder mehr in der NHANES-Untersuchung mit einem 37 % höheren Sterberisiko verbunden. Das ist eine statistische Beobachtung, kein Kausalnachweis, passt aber zur biologischen Erklärung, dass überlastete Nieren schneller nachlassen.

Wer bereits eine schwere Nierenerkrankung hat (Filterleistung unter 30 %), profitiert einer Studie zufolge von einer noch strikteren, überwiegend pflanzlichen Ernährung mit speziellen Aminosäure-Ersatzstoffen (sogenannten Ketoanaloga) mehr als von einer herkömmlichen Eiweißreduktion – gemessen am Zeitpunkt bis zur Dialyse. Der Vorteil zeigte sich besonders deutlich bei Patienten mit der stärksten Einschränkung der Nierenfunktion. Allerdings hielten nur 14 % der gescreenten Patienten diese Ernährungsform durch, sodass sie für die meisten Menschen kaum umsetzbar ist.

Ein wesentliches Risiko der Eiweißreduktion bei Nierenerkrankten ist Mangelernährung: Zu wenig Eiweiß und Energie führen zu Muskelabbau. Mehrere Reviews betonen, dass die Begleitung durch eine Ernährungsfachkraft unverzichtbar ist. Auch die Eiweißquelle spielt eine Rolle: Tierisches Eiweiß produziert mehr Säure, was die Nieren zusätzlich belastet. Pflanzliches Eiweiß gilt als schonender, wobei dazu bisher nur begrenzte Vergleichsdaten vorliegen.

Die Belege
8 Studien · 1 randomisierte Studie

Die Aussagen stützen sich auf mehrere Reviews, eine Studie (PMID 26823552) und eine große Untersuchung (PMID 33742197, NHANES). Die MDRD-Studie wird als Kontext erwähnt, gehört aber nicht zu den Primärquellen.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026 · wie das beurteilt wurde
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