Schützt ein hoher LSF wirklich besser als LSF 30?
LSF 100+ schützt bei echter Sonneneinstrahlung besser als LSF 50+, aber achte immer zusätzlich auf den UVA-Hinweis auf der Verpackung, denn die LSF-Zahl deckt diesen Schutz nicht ab.
LSF 100+ schützt am Strand nachweislich besser als LSF 50+. In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 55 Personen bekamen 56 % der Teilnehmer auf der mit LSF 50+ eingeschmierten Gesichtshälfte einen Sonnenbrand, auf der LSF-100+-Seite waren es nur 7 %. Die erste Rötung zeigte sich auf der LSF-50+-Seite bereits nach einem Tag, auf der LSF-100+-Seite erst nach drei Tagen.
Die LSF-Zahl sagt allerdings nichts darüber aus, wie gut ein Produkt vor UVA-Strahlung schützt. LSF misst fast ausschließlich den Schutz vor UVB-Strahlen, die Sonnenbrand verursachen. UVA beschleunigt die Hautalterung, unterdrückt möglicherweise das Immunsystem und kann zur Hautkrebsentstehung beitragen. Dieser Strahlungstyp wird separat und nach weniger einheitlichen Standards geprüft. Wer auch vor UVA geschützt sein will, muss gezielt nach einem Breitspektrum-Produkt mit eigenem UVA-Kennzeichen suchen.
Hinzu kommt ein praktisches Problem: Die Zahl auf der Verpackung ist weniger verlässlich, als sie wirkt. Eine Untersuchung von 44 handelsüblichen Sonnenschutzmitteln zeigte, dass dasselbe Produkt je nach Labor als LSF 30, LSF 50 oder LSF 50+ eingestuft wurde, mit Messabweichungen von mehr als 50 %. Der tatsächliche Schutzwert zweier Produkte mit identischer Kennzahl kann also erheblich auseinandergehen.
Wer regelmäßig Breitspektrum-Sonnenschutz verwendet, senkt sein Risiko für Vorstufen von Hautkrebs und Plattenepithelkarzinome und bremst die Hautalterung. Für Melanome und Basalzellkarzinome ließ sich dieser Vorteil in den verfügbaren Studien bisher nicht belegen. Empfohlen werden 2 mg Sonnenschutz pro cm² Haut. Bei dieser Menge hemmt das Produkt die körpereigene Vitamin-D-Produktion, doch die meisten Menschen tragen deutlich weniger auf, sodass dieser Effekt in der Praxis geringer ausfällt als in Labortests.
Aussagen basieren auf einer randomisierten Split-face-Studie (n=55, PMID 31542406), einer Analyse von 44 Produkten (PMID 27079525) sowie mehreren Übersichtsstudien zu UVA-Schutz, Hautkrebsprävention und Sicherheit (PMID 11705089, 25207381, 16113595).