Um wie viel erhöht ultraverarbeitete Ernährung dein Sterberisiko?
Eine hohe Zufuhr ultraverarbeiteter Lebensmittel geht mit einem erhöhten Sterberisiko einher, doch die Schätzungen schwanken stark (2 % bis 21 %) und Kausalität ist nicht gesichert. Das geringste Risiko ergibt sich, wenn du dein gesamtes Ernährungsmuster verbesserst und verarbeitete Fleischwaren einschränkst.
Wer am meisten ultraverarbeitete Lebensmittel isst, stirbt im Schnitt früher als wer am wenigsten isst. Wie groß dieser Unterschied ist, hängt stark davon ab, welche Studie du heranziehst. Ein übergeordneter Überblick über Metaanalysen schätzt das zusätzliche Sterberisiko auf 21 %. Eine große amerikanische Kohortenstudie mit mehr als 30 Jahren Follow-up fand dagegen nur 4 %. Und pro zusätzlicher Portion von 50 Gramm ultraverarbeiteter Lebensmittel pro Tag steigt das Risiko um grob 2 %. Diese breite Spanne ist kein Rechenfehler, sondern ein ehrliches Bild davon, wie viel Unsicherheit in diesem Bereich noch besteht.
Den stärksten Zusammenhang mit frühem Tod zeigen verarbeitete Fleischwaren: Wurst, Schinken und Fertigfleischprodukte weisen in derselben Kohortenstudie die stärksten und konsistentesten Verbindungen auf. Für Krebs- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit fand diese große Studie hingegen kein erhöhtes Risiko; die stärkste Verknüpfung lag bei 'sonstigen Todesursachen' wie Atemwegserkrankungen und neurodegenerativen Erkrankungen, mit einem um 9 % höheren Risiko. Andere Metaanalysen berichten zwar von einer erhöhten Sterblichkeit durch Herzerkrankungen, doch die Beweisqualität dafür wurde von den Forschenden selbst als 'sehr niedrig' eingestuft.
Ein großes Fragezeichen steht über all diesen Zahlen: Verschwinden die Zusammenhänge, sobald man das gesamte Ernährungsmuster berücksichtigt? In der Harvard-Kohortenstudie war genau das der Fall bei Menschen mit ansonsten gesunder Ernährung. Es lässt sich daher nicht ausschließen, dass 'ultraverarbeitet' schlicht ein Maß für ein insgesamt ungesundes Ernährungsmuster ist und die Verarbeitung selbst nicht der direkte Auslöser ist. Kausalität ist bisher nirgends nachgewiesen.
Was die Studien dagegen solide belegen: den Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes. Pro 10 % mehr ultraverarbeiteter Lebensmittel in der täglichen Ernährung steigt das Diabetesrisiko um 12 %. Dieser Befund ist über mehrere Analysen hinweg konsistent und hat die stärkste Beweisqualität aller untersuchten Endpunkte. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Angststörungen und Adipositas, die Beweisqualität ist dafür jedoch gering, und umgekehrte Kausalität (Menschen mit Beschwerden essen mehr Ultraverarbeitetes) lässt sich nicht ausschließen.
Basierend auf drei Publikationen: zwei Umbrella Reviews von Metaanalysen (PMID 38418082 und 38363072) sowie einer großen amerikanischen Kohortenstudie mit über 30 Jahren Follow-up (PMID 38719536). Die GRADE-Qualität reicht von 'sehr niedrig' bis 'moderat'. Alle Zusammenhänge sind beobachtungsbasiert; RCT-Evidenz zur Sterblichkeit liegt nicht vor.