Hängt deine Mundgesundheit mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen?
Schwere Zahnfleischerkrankungen hängen nachweislich mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck zusammen. Das ist ein guter Grund, die Mundgesundheit ernst zu nehmen und Zahnfleischbeschwerden rechtzeitig behandeln zu lassen.
Parodontitis, eine schwere Zahnfleischerkrankung, ist mit einem erhöhten Risiko für eine Reihe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden: koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und periphere arterielle Verschlusskrankheit. Dieser Zusammenhang ist in mehreren systematischen Reviews und Metaanalysen belegt. Es handelt sich um eine Assoziation; ob Zahnfleischerkrankungen diese Krankheitsbilder tatsächlich verursachen, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Eine große US-amerikanische Bevölkerungsstudie mit über 21.000 Teilnehmern stellte fest, dass Menschen mit Parodontitis ein 21 % höheres Risiko für Bluthochdruck hatten als Menschen ohne Zahnfleischerkrankung. Auffällig war ein klarer Treppeneffekt: Je schlechter die Mundgesundheit insgesamt, desto höher das Hypertonirisiko. Bei der schlechtesten Mundgesundheit stieg das Risiko im Vergleich zu einer ausgezeichneten Mundgesundheit auf 48 % an. Rauchen und Alter verstärkten den Zusammenhang zusätzlich.
Der biologische Mechanismus hinter dieser Verbindung ist recht gut beschrieben. Entzündungen im Zahnfleisch lösen eine systemische Entzündungsreaktion im gesamten Körper aus, wobei Bakterien auch in die Blutbahn gelangen können. Das begünstigt die Entstehung und das Wachstum von Fettablagerungen in den Gefäßwänden. Dass bei schwererer Parodontitis erhöhte Entzündungsmarker nachweisbar sind, passt zu diesem Bild, auch wenn eine direkte Kausalität beim Menschen noch nicht endgültig bewiesen ist.
Die Behandlung von Zahnfleischerkrankungen, ob chirurgisch oder nicht-chirurgisch, kann Entzündungswerte im Blut senken. Es gibt zudem Hinweise, dass sich die Blutzuckerregulation bei Diabetespatienten nach einer Zahnfleischbehandlung verbessert. Das deutet darauf hin, dass die Verbindung zwischen Mund und Körper keine Einbahnstraße ist, sondern dass eine bessere Mundgesundheit möglicherweise weitreichendere Effekte hat. Das genaue Ausmaß dieses Nutzens variiert allerdings noch von Studie zu Studie.
Außerhalb des Herz-Kreislauf-Bereichs wurde auch ein Zusammenhang zwischen einem gestörten Mundmikrobiom (der Bakteriengemeinschaft im Mund) und Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Alzheimer und Lungenerkrankungen gefunden. Zudem deuten Studien darauf hin, dass Zahnverlust eine auslösende Rolle bei kognitiven Abbauprozessen spielen kann. Dies sind noch frühe Befunde ohne konkrete Risikozahlen, sie bestätigen aber, dass die Mundgesundheit nicht losgelöst vom Rest des Körpers betrachtet werden kann.
Basiert auf mehreren systematischen Reviews, Metaanalysen und einer großen Bevölkerungsstudie (NHANES, n > 21.000). Die Evidenz für den Zusammenhang ist statistisch robust; eine Kausalität beim Menschen ist für die meisten Endpunkte noch nicht abschließend belegt. Befunde zum Mundmikrobiom und zur Kognition stammen überwiegend aus Beobachtungsstudien und Frühphasenstudien.