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Warum leiden manche Menschen nach einer Infektion monatelang unter Beschwerden?

Nach einer Infektion können mehrere biologische Prozesse gleichzeitig weiter schwelen – welcher davon bei dir den Ausschlag gibt, lässt sich derzeit weder vorhersagen noch gezielt behandeln.

Langanhaltende Beschwerden nach einer Infektion sind seit Langem bekannt, doch die Ursachen unterscheiden sich je nach Infektion und Person. Am gründlichsten erforscht sind die biologischen Veränderungen nach COVID-19. Bei Menschen mit Long COVID finden sich messbar veränderte Verhältnisse von Immunzellen, stärkere Antikörperreaktionen gegen SARS-CoV-2 und gegen das Epstein-Barr-Virus sowie auffällig niedrige Cortisolwerte – jenes Hormons, das unter anderem Entzündungen dämpft. Das sind reale biologische Abweichungen, keine rein subjektiven Beschwerden.

Wahrscheinlich wirken mehrere Mechanismen gleichzeitig: Virusreste, die sich irgendwo im Körper festsetzen, reaktivierte Viren, die vorher im Verborgenen schlummerten, winzige Blutgerinnsel in kleinen Gefäßen, eine gestörte Darmflora und Störungen im Nervensystem. Welcher Mechanismus bei welchem Patienten die Hauptrolle spielt, ist bisher unklar. Long-COVID-Patientinnen und -Patienten sowie Menschen mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom, eine schwere chronische Erschöpfungserkrankung) zeigen dabei bemerkenswert ähnliche Auffälligkeiten: Bei fast neun von zehn Betroffenen ist die Hirndurchblutung im Stehen zu niedrig, und Schäden an kleinen Nervenfasern in der Haut wurden bei beiden Gruppen nachgewiesen. Das legt nahe, dass beide Erkrankungen einem gemeinsamen biologischen Pfad folgen.

Langanhaltende Beschwerden nach einer Infektion sind kein Alleinstellungsmerkmal von COVID-19. Nach Giardia (einem Darmparasiten), Lyme-Borreliose, Sepsis und anderen schweren Infektionen kann ein ähnliches Muster aus Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und Gelenkschmerzen entstehen. Bei der Lyme-Borreliose spielt auch genetische Veranlagung eine Rolle: Menschen mit einer bestimmten Variante in einem Immunrezeptor-Gen reagieren übermäßig stark und entwickeln Gelenkentzündungen, die auch nach dem Verschwinden der Bakterien fortbestehen. Nach schweren Infektionen können zudem dauerhafte Veränderungen im Immunsystem zurückbleiben, die die Abwehr langfristig schwächen und so die Anfälligkeit für weitere Infektionen erhöhen. Dazu gibt es bisher nur Daten aus Zell- und Tierversuchen; große klinische Studien am Menschen fehlen.

Frauen tragen ein höheres Risiko für postinfektiöse Beschwerden als Männer. Psychische Belastungen durch eine durchgemachte schwere Erkrankung können die Symptome verstärken oder aufrechterhalten, sind aber keine vollständige Erklärung. Eine Behandlung, die das zugrunde liegende Problem behebt, gibt es bisher nicht; die meisten Erkenntnisse stammen aus Beobachtungsstudien, und die genauen Mechanismen werden weiter erforscht.

Die Belege
8 Studien

Basiert auf Reviews und Beobachtungsstudien. In diesem Quellenset sind keine randomisierten Studien oder Metaanalysen verfügbar. Kausalität ist bei den meisten Mechanismen noch nicht belegt.

Zuletzt geprüft: August 2026 · wie das beurteilt wurde
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