Ab wie viel Alkohol steigt mein Krebsrisiko wirklich?
Bereits bei geringem Alkoholkonsum ist das Risiko für Mund-, Rachen-, Speiseröhren- und Brustkrebs messbar erhöht. Eine sichere Untergrenze gibt es nicht.
Für Krebs gibt es keine sichere Menge Alkohol. Das zeigen mehrere große Metaanalysen übereinstimmend. Das Risiko wächst mit dem Konsum – bei manchen Krebsarten beginnt der Anstieg bereits beim ersten Schluck.
Bis zu einem Drink pro Tag ist das Gesamtkrebsrisiko nur leicht erhöht (Faktor 1,02) und kaum messbar. Dieser Durchschnittswert verdeckt aber erhebliche Unterschiede zwischen Krebsarten. Das Risiko für Mund- und Rachenkrebs liegt bereits rund 20 % höher als bei vollständiger Abstinenz, für Speiseröhrenkrebs sogar 30 % höher. Auch für Darm- und Brustkrebs lässt sich schon bei geringem Konsum ein erhöhtes Risiko nachweisen. Beim Brustkrebs setzt der Anstieg irgendwo zwischen drei und sechs Drinks pro Woche ein; unterhalb von drei Drinks pro Woche wurde kein erhöhtes Risiko festgestellt.
Ab vier oder mehr Drinks pro Tag werden die Risikoerhöhungen deutlich gravierender. Das Risiko für Mund- und Rachenkrebs steigt auf das bis zu Fünffache, ebenso das für Speiseröhrenkrebs. Kehlkopfkrebs: mehr als das 2,5-Fache. Leberkrebs: etwa das Doppelte. Brustkrebs: das 1,5- bis 1,6-Fache. Darmkrebs: das 1,4- bis 1,5-Fache. Bei diesen Mengen gilt der Zusammenhang nicht mehr nur als statistische Beobachtung, sondern als ursächlich.
Leberkrebs zeigt ein besonders klares Muster. Schon ein Drink pro Tag erhöht das Risiko leicht (Faktor 1,08). Bei vier Drinks täglich steigt es auf Faktor 1,54, bei etwa acht Drinks täglich auf mehr als das Dreifache. Wer zusätzlich an Hepatitis oder Diabetes erkrankt ist, trägt ein noch deutlich höheres Risiko.
Wer sein Krebsrisiko senken möchte, trinkt am besten so wenig wie möglich. Eine Menge, bei der das Risiko vollständig verschwindet, gibt es nicht.1,2,3,4,5,6
Grundlage sind mehrere große Metaanalysen (PMID 37905315, 25422909, 21864055, 26134046, 33412155, 32717903). Die meisten Zusammenhänge wurden als statistische Beobachtungen identifiziert; bei starkem Konsum und mehreren Krebsarten wird jedoch ein ursächlicher Zusammenhang angenommen. Dieses Urteil stützt sich auf die Einheitlichkeit der Ergebnisse und auf einen biologisch plausiblen Mechanismus.