Erhöht Nachtarbeit mein Krebsrisiko?
Nachtarbeit erhöht wahrscheinlich das Brustkrebsrisiko und möglicherweise das Risiko für weitere Krebsarten. Wer seit Jahren Nachtschichten arbeitet, sollte das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen und Früherkennungsuntersuchungen konsequent wahrnehmen.
Frauen, die regelmäßig Nachtschichten arbeiten, haben ein deutlich erhöhtes Brustkrebsrisiko. Eine Zusammenfassung von dreizehn Studien ermittelte eine Risikoerhöhung von rund 48 %. Das ist beträchtlich, auch wenn dieser Wert etwas sinkt, sobald man Faktoren wie die Anzahl der Schwangerschaften herausrechnet. Der Effekt scheint besonders ausgeprägt bei mehr als zwanzig Jahren Nachtarbeit oder bei kurzen Phasen mit vielen aufeinanderfolgenden Nächten.
Als wahrscheinlichster Mechanismus gilt die Unterdrückung von Melatonin, einem Hormon, das die Zirbeldrüse normalerweise nachts ausschüttet. Künstliches Licht in der Nacht bremst diese Produktion und bringt die innere Uhr durcheinander. Tierversuche zeigen, dass ein gestörter Biorhythmus das Tumorwachstum beschleunigen kann. Wie stark dieser Mechanismus beim Menschen zum Krebsrisiko beiträgt, lässt sich bisher nur aus Mäusedaten ableiten.
Für Darmkrebs insgesamt fanden zwei große Studien an Pflegepersonal (Nachbeobachtungszeitraum bis zu 24 Jahre) kein erhöhtes Risiko. Eine Ausnahme bildet Rektumkrebs: Nach fünfzehn oder mehr Jahren Nachtschicht war dieses Risiko um den Faktor 1,6 erhöht. Dabei handelt es sich um einen Befund aus einer Untergruppe, der noch weiterer Bestätigung bedarf. Für Prostata- und Gebärmutterkrebs gibt es epidemiologische Hinweise, ein ursächlicher Zusammenhang ist bislang nicht belegt.
Krebs steht nicht für sich allein. Eine Auswertung von vierundzwanzig Studien an Pflegepersonal zeigte, dass Nachtarbeit auch mit Schlafproblemen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt. Wer die Risiken von Nachtschichten abwägt, sollte also ein breiteres Bild im Blick haben als nur das Krebsrisiko.
Evidenz für Brustkrebs: Metaanalyse (PMID 16084719) + systematisches Review (PMID 31132107) + Review (PMID 28770538). Kolorektal: große Kohortenstudien (PMID 29978466). Mechanismus: Reviews und weitere Studien (PMID 18540832, 17973057, 19605423). Tierversuche Lungenkrebs: PMID 27476975.
Erhöht schlechter Schlaf mein Krebsrisiko?
Schlechter Schlaf, insbesondere Schlafapnoe und Nachtarbeit, hängt mit einem erhöhten Krebsrisiko zusammen. Ob dein persönliches Risiko steigt, hängt davon ab, welche Schlafprobleme du hast. Apnoebeschwerden solltest du auf jeden Fall abklären lassen.
Erhöht die Arbeit mit Pestiziden das Krebsrisiko?
Mehrere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der Arbeit mit Pestiziden und einem erhöhten Risiko für verschiedene Krebsarten, darunter Blasen-, Darm- und Blutkrebs. Ungeschützten Kontakt zu vermeiden ist sinnvoll – besonders wenn du schwanger bist oder es werden möchtest.
Erhöht Übergewicht mein Krebsrisiko – und wenn ja, bei welchen Krebsarten?
Übergewicht erhöht das Risiko für mindestens 13 Krebsarten, darunter Gebärmutter-, Dickdarm-, Brust- und Leberkrebs. Wer abnimmt, senkt dieses Risiko – wobei noch unklar ist, ob alle Methoden der Gewichtsabnahme gleich wirksam für die körpereigene Krebsabwehr sind.
Erhöht langes Sitzen mein Krebsrisiko, selbst wenn ich Sport treibe?
Langes Sitzen erhöht das Risiko für bestimmte Krebsarten – auch bei regelmäßigem Sport. Neben ausreichend Bewegung solltest du daher gezielt darauf achten, deine Sitzzeit zu reduzieren, denn beides ersetzt sich nur zum Teil.
Erhöht Alkohol dein Krebsrisiko, auch bei einem Glas pro Tag?
Ja, auch ein Glas pro Tag erhöht das Krebsrisiko messbar, vor allem für Brustkrebs. Eine Menge, bei der das Risiko vollständig entfällt, wurde nicht gefunden.
Erhöht viel Zucker essen mein Krebsrisiko?
Hoher Konsum zuckerhaltiger Getränke hängt mit einem deutlich erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten zusammen, besonders für früh auftretenden Darmkrebs und Leberkrebs. Der Zusammenhang ist assoziativ, aber konsistent genug, um weniger Softdrinks und Fruchtsäfte zu trinken als konkreten Ansatzpunkt zu benennen.