Warum träume ich so viel, und ist das gut oder schlecht?
Einfach viel zu träumen ist normal und kein Grund zur Sorge. Anhaltende Albträume oder körperlich ausagierte Träume im Schlaf sind jedoch echte Warnsignale, die du ernst nehmen und mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen solltest.
Viele Menschen träumen lebhaft, aber das sagt zunächst wenig aus. Träume entstehen vor allem im sogenannten REM-Schlaf, einer Phase, die jeder Mensch jede Nacht mehrfach durchläuft. Ob das 'zu viel' ist, hängt davon ab, was du erlebst: normale, manchmal skurrile Träume sind völlig üblich. Erst wenn Träume deinen Schlaf oder deinen Alltag beeinträchtigen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Häufige Albträume sind mehr als unangenehm. Beobachtungsstudien zeigen, dass sie ein eigenständiger Risikofaktor für Suizidgedanken und suizidales Verhalten sind, auch unabhängig von Schlaflosigkeit. Das gilt besonders bei Jugendlichen und bei hoher Albtraumhäufigkeit. Albträume treten außerdem oft bei einer PTBS auf, wo sie hartnäckig sind und die Schlafqualität erheblich verschlechtern. Es gibt wirksame Behandlungsansätze: die sogenannte IRT (ein psychologisches Verfahren, bei dem du den Albtraum bewusst umschreibst und regelmäßig einübst) sowie das Medikament Prazosin reduzieren beide die Albtraumhäufigkeit und PTBS-Beschwerden, wenn auch nur mäßig stark. Die Kombination aus IRT und kognitiver Verhaltenstherapie für Schlafprobleme erzielte in einer Metaanalyse1 die besten Ergebnisse für die Schlafqualität. Wenn du unter anhaltenden Albträumen infolge eines Traumas leidest, sprich das unbedingt mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Psychologin bzw. einem Psychologen an.
Es gibt eine Situation, die wirklich medizinische Aufmerksamkeit erfordert: wenn du deine Träume körperlich ausagierst, also trittst, schlägst oder rufst, während du schläfst. Das nennt sich REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Die Mehrheit der älteren Erwachsenen mit diesem Problem entwickelt langfristig eine neurodegenerative Erkrankung wie Parkinson oder eine Lewy-Körperchen-Demenz2. Dazu kommt ein unmittelbares Verletzungsrisiko: sowohl du selbst als auch deine Bettpartnerin oder dein Bettpartner kann sich dabei verletzen. Erkennst du dieses Muster bei dir oder jemandem in deinem Umfeld, geh zum Arzt.
Schlafwandeln ist eine weitere Störung, bei der Träume und Verhalten ineinandergreifen. Etwa zwei bis vier Prozent der Erwachsenen sind davon betroffen. Es erhöht das Verletzungsrisiko, geht mit übermäßiger Tagesmüdigkeit einher und senkt die Lebensqualität. Und noch ein weiterer Zusammenhang: Menschen mit häufigen Migrächeanfällen berichten signifikant öfter von unangenehmen Träumen und einer schlechteren Schlafqualität als Menschen ohne Migräne, und je häufiger die Anfälle, desto ausgeprägter dieser Effekt.
Alle Aussagen beruhen auf Beobachtungs- oder Assoziationsstudien. Für die Behandlung von Albträumen bei PTBS liegt eine Metaanalyse vor (PMID 25325592). Kausale Zusammenhänge sind für die meisten Ergebnisse nicht belegt. Der REM-Schlaf-Verhaltensstörungs-Befund (PMID 30166532) ist assoziativ, aber robust.