Was haben zwei wegweisende Studien über die Rolle deiner Gehirn-Immunzellen beim Altern herausgefunden?
Mikroglia spielen über Fettansammlung und Energiemangel eine aktive Rolle beim Gehirnaltern, doch die meisten Hinweise kommen aus Tierversuchen. Anwendungen am Menschen gibt es noch nicht. Bei Gedächtnisbeschwerden solltest du das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen.
Zwei Studien zeigen, dass Gehirn-Immunzellen, die sogenannten Mikroglia, im Alter auf zwei Arten aus dem Ruder laufen. Der erste Befund betrifft Fetttröpfchen: Bei älteren Mäusen und Menschen häufen sich Fetttröpfchen in Mikroglia an. Diese fettbeladenen Zellen räumen Abfallstoffe schlechter weg, produzieren mehr schädliche Substanzen und senden entzündungsfördernde Signale aus. Genvarianten, die diese Fetttröpfchenbildung steuern, tauchen auch bei erblichen Formen neurodegenerativer Erkrankungen auf, was einen möglichen Zusammenhang mit Alzheimer nahelegt.
Der zweite Befund dreht sich um Energiemangel. Bei älteren Mäusen führt eine erhöhte Aktivität des Botenstoffs Prostaglandin E2 über einen bestimmten Andockpunkt an der Zelle (den EP2-Rezeptor) dazu, dass Mikroglia Glukose als Stärke speichern statt sie als Brennstoff zu nutzen. Die Zellen werden dadurch energieärmer, eine chronische Entzündung beginnt zu schwelen, und messbare Gedächtnisprobleme entstehen. Als Forschende diesen EP2-Rezeptor bei alten Mäusen blockierten, erholte sich der Energiehaushalt der Zellen, die Entzündung ging zurück und das räumliche Gedächtnis verbesserte sich.
Weitere Forschungsarbeiten fügen einen dritten Mechanismus hinzu. In Hirngewebe von 437 älteren Menschen wurden zwei spezifische Mikroglia-Untertypen entdeckt, die ursächlich mit Alzheimer zusammenhängen: Der eine treibt die Ansammlung von Amyloid-beta voran, der andere vermittelt, wie dieses Amyloid anschließend die Ablagerung von Tau-Proteinen auslöst. Nicht jeder Alterungsweg führt zu Alzheimer; nur einer der beiden gefundenen Pfade tut das.
In Mausmodellen häuften sich außerdem gealterte, erschöpfte Mikroglia mit erhöhtem p16ink4a-Protein, einem Hemmstoff der Zellteilung, an Amyloidplaques an. Wenn dieses Protein über Nanopartikel gesenkt wurde, bauten Mäuse Amyloid besser ab und ihr räumliches Gedächtnis erholte sich. Dazu gibt es bisher nur Mäusedaten. Ein weiteres Mausexperiment zeigte, dass eine veränderte Variante des entzündungshemmenden Proteins IL-10, direkt ins Gehirn verabreicht, die Bildung neuer Nervenzellen anregte und die Kognition verbesserte, ohne die unerwünschten Nebenwirkungen des regulären IL-10 zu verursachen.
Alle Befunde stammen aus Studien ohne nähere Indexierung, überwiegend Tier- und Mechanismenstudien, ergänzt durch eine Studie mit menschlichem Hirngewebe von 437 Personen sowie einen umfangreichen Zellatlas. Eine randomisierte klinische Studie am Menschen liegt nicht vor.