Was ist der Zusammenhang zwischen Fettleber und Typ-2-Diabetes?
Fettleber und Typ-2-Diabetes verstärken sich gegenseitig: Sie teilen denselben Mechanismus und erhöhen jeweils das Risiko für die andere Erkrankung grob um das Zweifache. Wer eine Fettleber hat, kann durch deren Behandlung also auch das Diabetesrisiko senken.
Eine Fettleber (medizinisch NAFLD) verdoppelt grob das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Eine Metaanalyse von 19 Beobachtungsstudien mit knapp 300.000 Teilnehmern errechnete ein relatives Risiko von 2,22. Je mehr Narbengewebe (Fibrose) die Leber enthält, desto höher das Risiko: Bei fortgeschrittener Fibrose wurde ein fast fünffach erhöhtes Risiko gefunden, wobei diese Zahl auf nur einer einzigen Studie basiert und entsprechend vorsichtig zu bewerten ist.
Die Beziehung läuft auch in die andere Richtung. Menschen mit Typ-2-Diabetes haben doppelt so häufig eine Fettleber, und wenn sie bereits eine haben, schreitet die Erkrankung schneller in Richtung Leberentzündung und Vernarbung voran. Jede der beiden Erkrankungen beschleunigt damit die andere.
Das zentrale Bindeglied zwischen beiden ist Insulinresistenz: Der Körper reagiert schwächer auf Insulin, woraufhin Fettzellen mehr Fettsäuren zur Leber schicken, die diese als Fetttröpfchen einlagert. Gleichzeitig produziert die Leber zu viel Glucose. Zusätzlich verhält sich eine Fettleber wie eine Art Hormondrüse: Sie setzt Botenstoffe frei, die Muskeln, Fettgewebe und Bauchspeicheldrüse ebenfalls weniger empfindlich für Insulin machen und den Weg in Richtung Diabetes weiter öffnen.
Es gibt auch Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang. Wenn eine Fettleber sich nachweislich bessert oder verschwindet, sinkt das Diabetesrisiko mit. Das spricht dafür, dass eine Behandlung der Leber zugleich Diabetesprävention sein kann.
Wer beide Erkrankungen gleichzeitig hat, trägt ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Nierenerkrankung und Leberkrebs, das über das Risiko jeder Erkrankung einzeln hinausgeht. Früh anzusetzen, etwa durch Gewichtsabnahme und Ernährungsumstellung, ist deshalb aus mehreren Gründen sinnvoll.
Alle Aussagen basieren auf Reviews und einer Metaanalyse von Beobachtungsstudien, nicht auf randomisierten Studien. Ein ursächlicher Zusammenhang ist wahrscheinlich, aber formal nicht belegt. Die fast fünffache Risikoschätzung bei fortgeschrittener Fibrose beruht auf nur einer Studie und ist deshalb mit Vorsicht zu interpretieren.